White Horse

Trip

Es beginnt mit dem Umdrehen von Himmelskörpern.
Wir stehlen Gesten von Kampfesgeist und Pathos,
leihen uns revolutionäre Körper aus der Vergangenheit,
pressen ihren Schweiss aus auf Spurensuche nach Utopien.
Wir verschwenden uns auf dem Schlachtfeld einer Revolution,
auf deren Ideologie sich nicht berufen lässt.
Nach allen Tränen
heulen wir uns leer und lachen uns kaputt,
gehen weit
bis Sinn verschwimmt, der Taumel aber bleibt.
Der Trip beginnt
am Ort danach
im Jetzt, in dem der Körper Fragen stellt.

 

In ihrem abendfüllenden, vom Freischwimmer Festival produzierten Debutstück Trip untersuchen White Horse eine Körperlichkeit der Intensität. Pathosgeladene Revolutions- und Kampfesgesten aus Filmen der russischen Avantgarde werden körperlich radikal bis hin zum Rauschhaften erschöpft. Ausschlaggebende Frage dabei ist, welche Form einer kollektiven Sehnsucht nach Hingabe gegeben werden kann, ohne zur Ideologie zu werden. Eine kraftvolle Sehnsucht nach Heldentum, Leidenschaftlichkeit und der Überwindung sublimer Ängste im heutigen Zeitgeschehen soll ebenso zum Erlebnis werden wie ein Unbehagen, das das Aufrufen jeglicher dogmatischer Strukturen mit sich bringen kann. Das Stück ist Korsett und Befreiungszug zugleich, liegt ihm doch die unmögliche Aufgabe zugrunde, dass alle sich auch in Extremzuständen haargenau gleich bewegen müssen und die ganze Zeit über ihren Mund weit aufgerissen haben.

Trip ist seit der ersten Fassung als Trio am Freischwimmer Festival 2008 mit großem Erfolg weltweit getourt und wurde auch in unterschiedlichen Gruppenversionen performt: Als Trip en masse von der Dansgroup Amsterdam getanzt gewann es 2011 den niederländischen Tanzpreis Het Zwaan, als Friedenstour im Rahmen des Wahlkampfs 2012 tourte es mit der Sarakasi Dome Company durch Kenia, die Dans och Cirkushögskolen (DOCH) in Stockholm nahm es in ihr zeitgenössisches Repertoire für die Studierenden auf.

 

Das Stück hat bereits viele Menschen bewegt, es hat sehr verschiedene Zustände ausgedrückt, die sich nur ähnlich waren in ihrer Intensität und Unerträglichkeit. Es hatte die Kraft, kollektiven Erfahrungen zwischen Angst, Euphorie, Grausamkeiten und Gemeinschaft über viele Grenzen hinweg Ausdruck zu verleihen.

 

TANZSCOUT Einführung

märz 12 | 16.30 Uhr

Leitung: Amelie Mallmann



WHITE HORSE ist ein Performance-Kollektiv, in dem alle Beteiligten ihren Kapazitäten und Funktionen entsprechend gleichberechtigt miteinander arbeiten. Im Jahr 2007 wurde White Horse in Amsterdam von Chris Leuenberger, Lea Martini und Julia Jadkowski gegründet. White Horse versteht sich als Laboratorium, in dem der Körper Resonanzort und fehlbarer Seismograph widersprüchlichen Zeitgeschehens wird. Ziel des Kollektivs ist es, sich gesellschaftlichen Phänomenen und ihren daraus hervorgehenden Fragestellungen performativ und körperlich anzunähern. Indem das totale Mitempfinden des Publikums herausgefordert wird, soll darüber hinaus eine thematische Auseinandersetzung auf der Ebene einer persönlichen Erfahrung stimuliert werden.



CHOREOGRAFIE White Horse (Julia Jadkowski, Lea Martini, Chris Leuenberger) PERFORMANCE Julia Jadkowski, Lea Martini, Chris Leuenberger, Maria Mavridou (in wechselnder Besetzung) SOUND Coordt Linke OUTSIDE EYE David Weber-Krebs LICHT Fabian Stemmer, Jan Fedinger, Attila Nemeth (UA) KOSTÜME Daniela Thomsen Nickau, Theresia Knevel (UA) PRODUKTION Chris Leuenberger Produktionen Bern

 

Eine Produktion des Freischwimmer Festivals 2008 in Koproduktion mit Frascati Amsterdam. Die Wiederaufnahme ist eine Produktion von Chris Leuenberger Produktionen. Mit freundlicher Unterstützung der School for New Dance Development (SNDO), SOPHIENSÆLE, der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, der Stadt Bern, des Kantons Bern und von Pro Helvetia. Medienpartner: taz. die tageszeitung


Foto © Barbara Braun



     

 

Tanz


Aufführungen


ORT
Festsaal


TICKETS
14/9 EURO



Suitable for English Speakers















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