Sebastian Matthias

WALLEN - offene Generalprobe

Das Verb wallen überträgt Bewegungen wogenden Wassers oder Grases auf emotionale Regungen. Im Schluchzen wird es im Beben des Körpers und im Hervorquellen der Tränen sichtbar, im wallenden Blut manifestiert sich Verärgerung. In Sebastian Matthias` neuer Produktion lässt sich wallen sowohl mit dem fein abgestimmten Kontrahieren der Muskeln als auch mit Improvisationsstrukturen in Verbindung bringen. Worin besteht die Differenz zwischen diesen kulturell geprägten Manifestationen von Weinen oder Gesten der Verärgerung und dem phänomenalen Gehalt ihrer emotionalen Erlebnisse? Sebastian Matthias analysiert zusammen mit seinen TänzerInnen solche Bewegungen, in denen sich Emotionen manifestieren, und überführt sie in abstrakte choreografische Intensitäten. Je weiter die Analyse fortgetrieben wird, desto unsicherer werden die Grenzen zwischen diesen scheinbar so eindeutigen Konzepten. Doch wie verändert sich in dieser fortschreitenden Abstraktion deren Erlebnis?

Die Choreografie entspinnt sich, indem die TänzerInnen ein Gelände ineinander übergehender Intensitäten durchwandern. Sie lässt für die ZuschauerInnen in einer Topographie aus Drehstühlen unbekannte Vermischungen erfahrbar werden. Jassem Hindi kreiert hierzu eine elektro-akustische Installation, die sich als eigenständiger weiterer Körper den von den TänzernInnen generierten Raum erschließt. So entsteht ein Wallen von Körper zu Körper und es bleibt eine Spur, wo Intensitäten vorüberwogen.

 

Wie mit Jassem Hindi arbeitete Sebastian Matthias bereits für seine Produktion TREMOR mit den Tänzern Lisanne Goodhue und Isaac Spencer sowie Nina Irina Witkiewic (Kostüm), Marcus Dross und Katarina Kleinschmidt (Dramaturgie) zusammen. Dieses Team, das mit TREMOR auch im Februar 2012 zur Tanzplattform Deutschland eingeladen war, wird nun für WALLEN durch die TänzerInnen Jan Burkhardt und Deborah Hofstetter verstärkt.

 

"Die Tänzer erzeugen im ausgetüftelten Zusammenspiel mit dem sich abrupt verändernden Licht und Jassem Hindis live produziertem Elektronik-Sound Spannungen und Stimmungen, die den Zuschauer auch gefühlsmäßig berühren: [...] Tanz ist hier unverstellt, ohne Theatralik oder demonstrative Virtuosität zu erfahren: in einer ungeschminkten Klarheit und unverstellten Schönheit, die den Betrachter zunehmend in den Bann zieht."

 

Hamburger Abendblatt, 05. Mai 2012

Klaus Witzeling: Die Sehnsucht des Nacktmenschen nach dem verlorenen Fell

www.abendblatt.de

 

 

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SEBASTIAN MATTHIAS studierte bis 2004 an der Juilliard School in New York und tanzte anschließend am Nürnberger Staatstheater und bei Hubbard Street Dance Chicago, USA. Nach Deutschland zurückgekehrt, studierte er an der FU Berlin Tanzwissenschaft (MA,  2010) und beschäftigte sich gemeinsam mit Karin Hermes mit dem Tanzrepertoire des 20. Jahrhunderts. Ausgehend vom Bauhaus beginnt die Beschäftigung mit Bewegungs- qualitäten, welche seine choreografische Arbeit bis heute prägt. 2009 war er Artist‐in-Residence im Rahmen von Pépinières européennes pour jeunes artists am LADMMI, Montréal und 2010 Residenzchoreograf am K3 | Tanzplan Hamburg. Seine Arbeit Tremor (2011) wurde mit dem Jurypreis der Sophiensæle beim 100° Festival 2011 ausgezeichnet und zur Tanzplattform Deutschland 2012 und ImPulsTanz eingeladen. Weitere Stückentwicklungen erfolgten in Zusammenarbeit mit dem Theater Vorpommern (Nordische Weise, 2011),  dem NDR – das neue Werk und dem Ensemble Resonanz (2011). Seit März 2012 vertieft er seinen Ansatz zur künstlerischen Forschung mit einem Doktoranden-Stipendium am Graduiertenkolleg Versammlung und Teilhabe und weitet ihn auf partizipative Prozesse aus. An den Sophiensælen zeigte er außerdem Wallen (2012) Danserey (2013), Synekism/Groove Space (2014) und People looking at people looking at people (2016).

 

sebastianmatthias.com



KONZEPT, CHOREOGRAFIE Sebastian Matthias mit Jan Burkhardt, Lisanne Goodhue, Deborah Hofstetter, Isaac Spencer TANZ Jan Burkhardt, Lisanne Goodhue, Deborah Hofstetter, Isaac Spencer SOUND Jassem Hindi KOSTÜME Nina Irina Witkiewicz LICHT, BÜHNE Tanja Rühl DRAMATURGIE Katarina Kleinschmidt, Marcus Dross REGIEASSISTENZ Jannikhe Möller PRODUKTIONSLEITUNG ehrliche arbeit – freies Kulturbüro Technische Leitung Arne Schmitt

Eine Produktion von Sebastian Matthias, in Koproduktion mit Kampnagel Hamburg, der Dampfzentrale Bern und SOPHIENSÆLE. Gefördert aus Mitteln der Kulturbehörde Hamburg, des Regierenden Bürgermeister von Berlin - Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten und der Rudolf Augstein Stiftung. Mit freundlicher Unterstützung von den Uferstudios Berlin. Wir bedanken uns bei unserem Medienpartner taz.die tageszeitung.



      

 

Aufführungen

2012
mai
30 
20:00 UHR


ORT
Hochzeitssaal
















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