Nordwind-Festival

Stina Nyberg

Splendour

Halbdunkel, Techno, sechs Körper, die sich mit der Musik bewegen. Jeder für sich, doch alle von denselben Beats getrieben. Die Choreografie ist eine Absage an eine Ästhetik der Kreativität und den individuellen Ausdruck. Sie sucht die Freiheit an einem anderen Ort: In der Übereignung des Körpers an den Sound. 

 

Die Tonspur zur Performance ist das Album Archive One von Dave Clarke: Eine knappe Stunde Detroit-Techno, die nach sanft wummerndem Start in stampfende Beats übergeht, zusehends schneller, mit kurzen Ausflügen zu Hip Hop und House. Die Performer_innen haben in der Probenzeit täglich zum Album getanzt – ohne die individuellen Interpretationen zu diskutieren. Splendour ist das Ergebnis dieser Techno-Praxis und gleichzeitig die Praxis selbst.

 

Das Publikum sieht zunächst nur einen kahlen Raum und sechs Performer_innen im Einheitslook. In graue Jogging-Klamotten gehüllt lauern sie auf ihre Einsätze. Jemand gestikuliert mit den Beats, eine Andere schreitet, springt, ein Dritter wartet. Ein Scratch lässt die Mimik zucken. Folgen die Tänzer_innen der Musik, oder ist es die Musik, die den Tänzer_innen folgt? Die Performance arbeitet mit den Affekten und unwillkürlichen Reaktionen, die in dem Moment in den Tänzer_innen sowie den Zuschauer_innen entstehen, in dem der Sound auf den Körper trifft. Splendour versucht, die Illusion zu erzeugen, dass es die Körper sind, die die Klänge erzeugen: „Wenn die Welle dich trifft, jeden von euch für sich, prallt sie zurück und produziert in diesem  Moment einen neuen Sound.“ Von welcher Kausalität die Performance erzählt, hängt von der Phantasie der Performer_innen und des Publikums ab.

 

Mit Splendour hat Stina Nyberg eine Form choreografischer Improvisation gefunden, die das Individuum zwar radikal vereinzelt, es aber nicht als solches auf der Bühne erscheinen lässt. Ausdruck und persönliche Interpretation treten hinter einen kollektiven Körper zurück, der die verschiedenen Nuancen des Sounds in einem vielschichtigen Bild in der Bewegung sichtbar macht – bis zur Erschöpfung.





CHOREOGRAFIE Stina Nyberg PERFORMANCE Luís Miguel Félix, Nadja Hjorton, Sidney Leoni, Maryam Nikandish, Stina Nyberg, Zoë Poluch, Rebecka Stillman LICHTDESIGN Chrisander Brun

Eine Produktion von MDT Stockholm, unterstützt von Swedish Arts Grants Committee, Stadt Stockholm und [DNA] Departures and Arrivals network, kofinnaziert durch das Creative Europe program of the European Commission.



 

Foto © Casper Hedberg

Tanz


Aufführungen

2015
dezember
04 05 
20:00 UHR


ORT
Festsaal



Suitable for English Speakers















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