Spielstand #5

Nicht-Krieg ? Der Alltag des Ausnahmezustands

Für Tolstoi war die Unterscheidung von Krieg und Frieden noch evident. Heute droht diese klare Grenzziehung verloren zu gehen, weil die Logik militärischer Auseinandersetzungen immer mehr hin zu graduellen Eskalationsstufen tendiert. Das Pressefoto des Jahres zeigte die Beiruter Jeunesse dorée, die neugierig durch die Trümmerlandschaften der israelischen Libanon-Offensive cruiste. Gewalt und Zerstörung sind im Nahen Osten so sehr an der Tagesordnung, dass das Gegenüber einer ?friedlichen" Normalität zusehend unscharf wird. Auch uns westlichen Beobachtern, fernab der war zones dieser Welt, fehlen mitunter die Begrifflichkeiten, um noch sinnvoll zwischen Krieg und Nicht-Krieg unterscheiden zu können. So kann über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan denn auch nur mit unscharfen Begriffen gesprochen werden, was die öffentliche Meinungsbildung erschwert. Wie lässt sich der neue Raum beschreiben, der durch die Permanenz und Namenlosigkeit bewaffneter Konflikte markiert wird? Welchen Beitrag können künstlerische Arbeiten leisten, um unseren Blick auf diesen prekären (Nicht-)Kriegszustand neu zu schulen?

Mit: Karin Mlodoch (Haukari e.V., Irak/Deutschland), Niels Werber (Medienwissenschaftler), Katya Sander und Ashley Hunt (Videoinstallation "9 Scripts For A Nation At War")
Moderation: Cornelia Visman (Rechtshistorikerin und Kulturwissenschaftlerin)

Eine Veranstaltung von Heinrich-Böll-Stiftung und Sophiensaele.

Aufführungen

07.11.2007 / 20:00


ORT
Virchowsaal
















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