Neujahrskonzert. Indoktrination im Selbstversuch

Am 1. Januar 1998 startete Christian von Borries mit einem Neujahrskonzert seine Reihe ?Musikmissbrauch? an den Sophiensaelen, die die Abnutzungserscheinungen und Umdeutungen klassischer Musik thematisierte. 10 Jahre später greifen wir in einem kollektiven Selbstversuch für Musiker und Publikum auf die Geschichte der Sophiensaele als Produktionsstätte für Theater, Tanz und Musik zurück. Gleichzeitig verweist das Konzert auf die Traditionen der Arbeiterbewegung an diesem Ort, die Anfang des 20. Jahrhunderts das neue Jahr mit einem Beethoven-Konzert einläutete.

?Freude schöner Götterfunken? immer wieder zum Neuen Jahr: die Gebrauchsspuren der Neujahrshymne reicht von den Ideen des Humanismus über die deutsche Arbeiterbewegung bis zum NATO-Bombardement in Serbien. Beethovens Neunte wurde immer wieder für die verschiedensten politischen Zwecke eingesetzt und instrumentalisiert. So ist das Lied von der Brüderlichkeit aller Menschen gleichzeitig EU- und NATO-Hymne und steht damit ebenso für Exklusion wie für die militärische Macht des Nordens. Beethovens Musik ist also längst unspezifisch gesichtslos geworden, und wird in den Prozessen der Aneignung immer wieder neu überschrieben und gedeutet. Was einmal komponiert ist, kann sich nicht mehr wehren!

Das Neujahrkonzert 2008 setzt sich mit den politischen Indoktrinationen auseinander, denen wir alltäglich ausgesetzt sind. Dabei sind Zuschauer wie Ausführende anonyme Teilnehmer eines Rituals, das ebenso inhaltsleer wie wirkungsmächtig ist und in dessen Zentrum die Musik steht.

Schwarze Kleidung und schwarze Schuhe sind Voraussetzung zur Teilnahme.

Eine Produktion von Christian von Borries und Sophiensaele. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.

Der Mitschnitt des Konzerts hier zum Download:
www.sophiensaele.com/downloads/neujahrskonzert2008.zip

Aufführungen

Januar 1) 18 Uhr


ORT
Festsaal
















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