Christoph Winkler

Saal A

Im Theater Tanz zu sehen, bedeutet in der Regel ein ?fertiges Produkt? vorgeführt zu bekommen. Die Auswahl und die Entscheidungen, die getroffen wurden um Bewegungen auszuwählen und zu ordnen bleiben im Verborgenen. Das Stück ?Saal A? fragt nach den Geschichten hinter den Bewegungen und Stilen: Woher kommen sie? Welche Personen, welche Orte oder Lebensphasen verbinden sich für die TänzerInnen mit ihrem Vokabular?
Drei TänzerInnen begeben sie sich auf eine vergnügliche Reise in ihre eigene Biografie und teilen diese mit ihren PartnerInnen auf der Bühne. ?Saal A? erzeugt ein heterogenes Geflecht aus Geschichten, Stimmungen und Erinnerungen und zeigt wie viel Wissen und Leben in den Bewegungen und Stilen der TänzerInnen steckt.

?'Kennst du Mary Wigman?' fragt die klassisch ausgebildete Joy Ritter ihre Kollegin Marie-Lydie Nokouda. Kennt sie nicht, tanzt ihren House aber so, als hätte sie bei ihr studiert. Eugene Boatengs Hiphop-Gesten wirken hingegen Broadway-geprüft. Wo sie sonst noch gelernt haben, performen die drei fantastischen Tänzer in ?Saal A? mit umwerfender Nonchalance. Tanz ist ihr Leben, erhält Impulse von Mutters ?Apple-picking-dance?, philippinischem Gläserbalancieren und ghanaischem Trommeltanz. Aber er hat auch die intensive Auseinandersetzung mit Klassik, Moderne und Hiphop-Battles durch. Und dieses große Wissen der drei wird hier von Christoph Winkler in eine zeitgenössisch selbstreflexive Kommunikation überführt. Exemplarisch in Joy Ritters Solo reibt man sich die Augen, wie alles, ja, alles zusammenhängt. So etwas könnte zur Religion für aufgeklärte Bedürftige werden.? Stefanie Möller, Leipziger Volkszeitung

CHRISTOPH WINKLERs Arbeit reicht von sehr persönlichen bis hin zu politischen Themen. Geboren wurde er in Torgau in der ehemaligen DDR. Nach seiner Ausbildung an der Staatlichen Ballettschule Berlin, studierte er vier Jahre Choreografie an der Berliner Ernst Busch Hochschule für Schauspielkunst und gründete Klangkrieg Produktionen, eine Plattform für experimentelle Musik. Seit 1998 arbeitet er als freischaffender Choreograf in Berlin. Bis heute schafft er es, immer wieder mit seinen Arbeiten Themen zu finden, die ganz innerhalb der Kunstform Tanz stehen, aber darüber hinaus auch auf momentan in der Gesellschaft stattfindende Diskurse hinweisen. Das Solo Baader - Choreografie einer Radikalisierung wurde 2012 zur Tanzplattform eingeladen, der Tänzer Martin Hansen dafür von der Zeitschrift tanz zum Tänzer der Jahres 2012 ernannt. Seit 2009 verwirklicht er Produktionen an den Sophiensælen. u.a:  2014 das Tanzfonds Erbe-Projekt Abendliche Tänze. 2015 war seine Arbeit Golden Stars on blue - a sonic Tableau  zu sehen, 2016 kuratierte er in Zusammenarbeit mit den Sophiensælen das Witch Dance Project. Im selben Jahr zeigte er Five Studies On Post-Colonialism (2016), eine fünfteilige Serie von Kurzchoreografien, in deren Zentrum post-koloniale Strukturen stehen.

 

christoph-winkler.info



Konzept: Christoph Winkler
Von & Mit: Christine Joy Ritter, Eugene ?U-gin? Boateng, Marie-Lydie Nokouda
Kostüme: Mariya Yordanova
Lichtdesign: André Schulz
Produktion: ehrliche arbeit ? freies Kulturbüro
Das Improvisationstraining und Gruppencoaching zur Motivsammlung von "Saal A" wurde vom Performer und Trainer Peter Trabner angeleitet.

Eine Produktion von Christoph Winkler in Koproduktion mit Theater Görlitz und LOFFT Leipzig. Gefördert aus Mitteln des Regierenden Bürgermeisters von Berlin und des Fonds Darstellende Künste e.V. Mit freundlicher Unterstützung von Eliashof.

Foto © frischefotos

Aufführungen

2009 März 26)(27)(28 April 2)(3)(4 20 Uhr


ORT
Hochzeitssaal
















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