SPIELSTAND #11

Crisis! What Crisis? Kunstmarkt und Staatskunst

Achtung: SPIELSTAND #11 findet in der Beletage der Heinrich-Böll-Stiftung statt, nicht in den Sophiensaelen!

Im Sommer 2008 kritisierte Chris Dercon, Direktor des Münchner Hauses der Kunst, in einem Aufsehen erregenden Artikel den kreativwirtschaftlichen ?New Deal? unserer Zeit: jenen Versöhnungsakt zwischen reichen InvestorInnen, PrivatsammlerInnen und erfolgreichen KünstlerInnen auf der einen Seite, und der Masse des künstlerischen Prekariats auf der anderen. Der Kunstmarkt funktionierte bis zu diesem Zeitpunkt ähnlich wie der Handel mit Derivaten: Der Wert eines Produkts wurde von Insidern bestimmt, Spekulation war der vorherrschende Modus der Aneignung. Ständig neue Rankings und Wahnsinnspreise für hochdekorative Werke von Hirst & Co. erzeugten einen Kunst-Hype.

Sind die Rahmenbedingungen im Frühjahr 2009 nun gänzlich anders geworden? Noch ist der große Crash zwar ausgeblieben, aber eine gewisse Marktbereinigung bei den Kunstmessen, Auktionshäusern und Galerien ist bereits absehbar. Viele KunstproduzentInnen müssen zudem befürchten, dass die Schuldenlast der staatlichen Rettungs- und Konjunkturpakete künftig auch die Finanzierung von Projekten, Stipendien, Ausbildungsstätten und Museumsetats erschwert. Muss sich der gesamte Bereich öffentlich geförderter Kunst womöglich ganz neu legitimieren?

Insofern bietet die globale Wirtschafts- und Finanzkrise auch Chancen. Das Ende der Boom-Zeiten könnte einen ganz neuen Reflexionsprozess über die Definition von Kunst und Öffentlichkeit einleiten. Gibt es bereits veränderte Kriterien für die Zumessung von Wert und Bedeutung? Erleben etwa ?marktferne? Positionen einen Aufwind? Wie könnte das Verhältnis zwischen musealer Präsentation und kulturindustrieller Spektakelproduktion neu ausgehandelt werden? Welche neuen Allianzen im Hinblick auf Kunstvermittlung wären denkbar?

Mit: Thomas Girst (Leiter Kulturkommunikation der BMW Group), Udo Kittelmann (Direktor der Nationalgalerie), Barbara Weiss (Galeristin)

Moderation: Elke Buhr (Monopol ? Magazin für Kunst und Leben)

?Spielstand" heißt die Kooperation zwischen der Heinrich-Böll-Stiftung und den Sophiensaelen. Vier Mal im Jahr werden in der offenen Diskursplattform Fragen aus der ästhetischen Praxis mit politischen Debatten konfrontiert.

Foto © Kerstin Laube


Aufführungen

2009 April 21) 20 Uhr


ORT
Beletage der Heinrich-Böll-Stiftung
















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