Ulrich Rasche

Die Entführung aus dem Serail

Ein Monolog nach Wolfgang Amadeus Mozart


Der exotische, gewaltbereite Orientale und die tugendhafte, sanfte Europäerin ? ?Die Entführung aus dem Serail? eignet sich vorzüglich, um Klischees zu bedienen. Dass es auch ganz anders geht, will Ulrich Rasche mit seiner Inszenierung der Mozart-Oper beweisen, und setzt sich mit dem Entführungsfall Susanne Osthoff auseinander.
?Die Deutschen hassen mich?, resümierte Osthoff in einem Interview und pointierte damit das Entsetzen, das man gegenüber einer mit Steuergeldern befreiten Geisel aufbrachte, der es an Dankbarkeit und entsprechenden Feindbildern fehlte. Indem Osthoff selbstbewusst ihre Ansichten über die Verschleppung formuliert, kontrastiert und unterläuft sie das von Mozart gezeichnete Bild der europäischen Frau. Erinnerungen an die mediale Abwertung über das Verhalten der Susanne Osthoff lassen eine Inszenierung entstehen, die sich einer vielstimmigen, disharmonischen Kulturgemeinschaft verschreibt. Vorgeprägte oder überlieferte Identitäten werden im Verfahren des Live-Loopings neu abgemischt, verschoben und ergänzt.

?Die Geschichte, von Menschen gemacht, kann auch von ihnen umgeschrieben oder gar rückgängig gemacht werden.? (Edward Said)

Nach Harold Pinters Betrogen, einer Koproduktion mit den Sophiensælen in der Staatsbank, zeigte Ulrich Rasche im Frühjahr 2004 seine Inszenierung 231, East 47th Street im Festsaal der Sophiensæle. Im Oktober 2004 realisierte Rasche Singing! Immaterielle Arbeit im Rahmen des Projektes Volkspalast im Palast der Republik. Andy Warhols legendäre Fabrik, zum Politikum gewordener Ort reger Legendenbildung oder historische Arbeiterlieder in Konfrontation mit Maurizzio Lazzaratos soziologischen Überlegungen zu immaterieller Arbeit - Uli Rasche setzt sich immer wieder mit politisch-historischen Themen auseinander. Seiner Arbeit eignet ein ganz eigener, zugleich formaler und hochgradig sinnlicher Zugang. Charakteristisch ist dabei Rasches interdisziplinärer Ansatz, der aus einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern wie Monica Bonvicini, Musikern wie Ed Osborn, Ekkehard Ehlers und Bernadette La Hengst sowie Tänzer*innen und Choreograf*innen resultiert. 2006 bearbeitete Rasche den Roman Wir Kinder vom Bahnhof Zoo von Christiane F. für die Sophiensæle. 2010 hatte im Hochzeitssaal der Sophiensæle Die Entführung aus dem Serail. Ein Monolog nach Wolfgang Amadeus Mozart Premiere, die ein euphorisches Presse-Echo zur Folge hat.



Mit: Kornelia Lüdorff (Schauspiel), Norma Nahoun (Schauspiel/Gesang), Till Schulze (Schauspiel/Gesang), Guillaume Francois (Schauspiel/Gesang), Pablo Bercellini (Violoncello), Miguel Pérez Inesta (Klarinette/Bassklarinette), Hannes Strobl (elektronische Komposition)

Regie: Ulrich Rasche
Musikalisches Arrangement: Michael Emanuel Bauer
Ton: Norman Duncan Thörel
Technische Leitung: Stefan Neumann
Produktionsleitung: Carolin Kiel
Regieassistenz: Franziska Menge

Gefördert aus Mitteln des Regierenden Bürgermeisters von Berlin ? Senatskanzlei ? Kulturelle Angelegenheiten.

Foto © Arne Schmitt


Aufführungen

2010 Februar 10)(11)(12)(13 21 Uhr


ORT
Hochzeitssaal
















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