Cassie Augusta Jørgensen: NEW TECHNIQUES VI: RESIDENCY SHOWING – Sophiensæle | Freies Theater in Berlin

Cassie Augusta Jørgensen:
NEW TECHNIQUES VI: RESIDENCY SHOWING

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Im Rahmen des Sophiensæle-Residenzprogramms NEW TECHNIQUES laden wir in die Sophiensæle zu einem fünften Showing ein: Am 2. November geben Cassie Augusta Jørgensen und ihr Team einen Einblick in ihre künstlerische Recherche über die Hollywood-Darstellungen von Transsexuellen als Bösewichte. Inspiriert von Filmen wie Dressed to Kill und Das Schweigen der Lämmer untersucht die Künstlerin durch die choreografische Linse die Bewegung der Filmkamera und die Art und Weise, wie diese eingesetzt wurde, um den crossgedressten und den weiblichen Körper darzustellen. Im Anschluss an die Präsentation findet ein Gespräch mit Cassie Augusta Jørgensen und mit der Autorin und Dramaturgin Maxi Wallenhorst statt.

Der von Dr. Ray Blanchard geprägte Begriff der Autogynaphilie schafft ein stereotypes Bild der Transsexualität, das den Drang, weiblich zu werden, ausschließlich mit sexueller Erregung verbindet. In Hollywood-Blockbustern endet die Sehnsucht immer in einem Mord an der Cis-Frau, und ein Transsexueller mit einem Messer, der einen langen Trenchcoat, eine Sonnenbrille und eine Perücke trägt, stellt eine Bedrohung für die biozentrischen Vorstellungen dar. Im Rahmen der Residenz spielten Cassie Augusta Jørgensen und ihr Team – die Performerin Magdalena Mitterhofer, der Musiker Roman Ole und die Outside-Eyes Shade Théret und Maxi Wallenhorst – mit dem Reenactment von Szenen aus Hollywood-Filmen und Kultklassikern wie Andy Warhols Women in Revolt, in dem Trans-Superstar Holly Woodlawn mitspielte. Außerdem nutzten sie Bilder aus Trans-Porno-Magazinen aus den 70er und 80er Jahren wie Les Girls und Male Maids (die der trans Community den Zugang zu Hormonbehandlungen außerhalb des staatlichen Gesundheitsdienstes ermöglichten) als Bewegungsscores.

Mit dem Residenzprogramm NEW TECHNIQUES wollen die Sophiensæle Tanzschaffende unterstützen, die bisher noch nicht von einer strukturellen Förderung profitiert haben. Seit 2020 nimmt pro Halbjahr ein*e Choreograf*in mit einem künstlerischen Team für einen Monat an der Residenz teil. Im November/Dezember 2020 setzten sich Rodrigo Garcia Alves und Liz Rosenfeld mit Fragen des Sterbens und der Queer Care auseinander, im März 2021 beschäftigte sich tiran mit dem Zusammenhang von race, Geschlecht und Melancholie, im November 2021 gab Angela Alves Einblicke in ihre künstlerische Forschung zu Begehren und Verkörperung, im Mai 2022 erforschte Juan Pablo Cámara verkörperte Formen des Narzissmus und im September 2022 untersuchte Rita Mazza den Begriff der "Übersetzung" in Poesie, visuellem Tanz und Gebärdensprache. Die Sophiensæle sind eines von neun Berliner Produktionshäusern, die am Pilotprojekt Residenzförderung Tanz der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa teilnehmen.

Mit freundlicher Unterstützung von Kostümkollektiv.

Das Residenzprogramm NEW TECHNIQUES ist gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa im Rahmen des Pilotprojekts Residenzförderung Tanz.

CASSIE AUGUSTA JØRGENSEN arbeitet als Tänzerin und Choreografin. Sie hat ihr Showgirl-Dasein durch die Zusammenarbeit mit Theater-, Kunst- und Tanzschaffenden perfektioniert. Jørgensen verfügt über eine Ausbildung in klassischem und modernem Tanz. Sie arbeitet mit der Vorstellungskraft ihres inneren Auges, mit tiefen, schweißtreibenden und langen Improvisationssitzungen, mit christlicher Moral und Pornos, mit Menschen, die sie inspirieren, mit ihrem Tagebuch, mit vielen Filmen, mit anderen Tänzern wie Valeska Gert und anderen Pantomimenlegenden, mit Frauen und natürlich damit, dass sie ein Trans-Girl ist, das sich zur Tragödie in all ihrer Lebendigkeit hingezogen fühlt. Jørgensens Wunsch und Ziel ist es, Löcher und mehrdeutige Räume in der Geschichte und der Tanzgeschichte zu schaffen, über neue Erzählungen und Fiktionen der Live-Performance und andere Formen nachzudenken.

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