markus&markustheaterkollektiv: Ibsen: Gespenster – Sophiensæle | Freies Theater in Berlin
markus&markustheaterkollektiv: Ibsen: Gespenster
Am 23. November 1881 schreibt Ibsen an Hegel: Die Gespenster werden wahrscheinlich in einigen Kreisen Alarm schlagen, aber das mag geschehen. Würden sie es nicht tun, dann wäre es unnötig gewesen, das Stück zu schreiben.
Ein gesellschaftlicher Diskurs prallt auf ein Drama, dessen Hauptfigur bereits tot ist: In Ibsens Drama Gespenster bittet der Protagonist Osvald seine Mutter, ihm Sterbehilfe zu leisten, sie jedoch zweifelt. Markus&Markus stellten sich die Frage: Wenn Ibsen es geschafft hat, die Biografie eines Einzelnen als Inspiration für ein Drama zu verwenden, muss es doch auch möglich sein, dieses Prinzip umzukehren: Dann müssten doch irgendwo die ProtagonistInnen dieser Stücke leben.
Seit dreißig Jahren bieten einige Schweizer Organisationen Sterbehilfe an und bewegen sich bis heute innerhalb einer juristischen Grauzone. Markus&Markus besetzen ihren Osvald mit einer Person, die tatsächlich mit einer solchen Institution den eigenen Tod plante. Am 01. April 2014 trafen sie ihre Protagonistin und verbrachten einen Monat lang beinahe jeden Tag mit ihr. Am 30. April 2014 fuhren sie mit ihr nach Basel. Am 22. Mai 2014 waren sie auf ihrer Beerdigung. Ibsen: Gespenster ist eine Hommage, ein feierliches Requiem, ein Museum für den verstorbenen Osvald.
GESPRÄCH - APRIL 08, 18.30 UHR
Sterben in Deutschland – aktuelle Entwicklungen und Tendenzen
ExpertInnen aus der Palliativmedizin, Rechtsberatung und Sterbehilfe berichten über Tendenzen, die aktuelle Gesetzeslage sowie über ihre Erfahrungen aus der Praxis.
MIT Home Care Berlin e.V., Dignitas Deutschland, Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS), u.a.
VON UND MIT Markus&Markus (Katarina Eckold, Lara-Joy Hamann, Manuela Pirozzi, Markus Schäfer, Markus Wenzel) GAST Margot MITARBEIT Miriam Walther Kohn
Eine Produktion von Markus&Markus in Koproduktion mit Gessneralle Zürich, ROXY Birsfelden und Mousonturm Frankfurt. Gefördert von Stadt Zürich Kultur, Kanton Zürich, Migros Kulturprozent, Fondation Nestlé pour l’art, Ernst-Göhner Stiftung und Fachausschuss Theater und Tanz BS/BL.
Fotos © komun.ch
Lara-Joy Bues, Katarina Eckold, Markus Schäfer und Markus Schmans arbeiten seit 2012 als markus&markustheaterkollektiv zusammen. Ihre Arbeiten zeichnen sich aus durch eine intensive Recherche, deren Ergebnis eingefangen auf der Videoebene einen elementaren Baustein der Inszenierungen bildet. Sie sprechen nicht über ein Thema, sondern aus ihm heraus. Es kommen Menschen zu Wort, die das jeweilige Thema unmittelbar betrifft: Ihre Protagonist*innen. Für ihre Arbeit wurden sie mit dem George Tabori Förderpreis und dem Preis des Best-Off-Festivals der Stiftung Niedersachsen ausgezeichnet.