NEW TECHNIQUES XV: Burcu Bilgiç and Nicole Wysokikamien – Sophiensæle | Freies Theater in Berlin
NEW TECHNIQUES XV: Burcu Bilgiç and Nicole Wysokikamien
Im Februar/März 2026 begrüßen die Sophiensæle die Choreograf*innen Burcu Bilgiç und Nicole Wysokikamien sowie ihr Team im Rahmen des TanzresidenzprogrammsNEW TECHNIQUES.
Ausgehend von der Telenovela Muñeca Brava aus den 1990er-Jahren beschäftigt sich die Recherche mit der transnationalen Zirkulation der Serie zwischen Lateinamerika, Osteuropa und dem Nahen Osten. Melodram wird dabei als verkörperte Technik verstanden: als eine nicht-institutionelle Sprache, die durch kollektives Fernseherleben in den späten 1990er-Jahren angeeignet wurde.
Während der Residenz „hacken“ Burcu Bilgiç und Nicole Wysokikamien gemeinsam mit dem Performer und Musiker Anton Gerzina Szenen aus Muñeca Brava und tauchen in ihre frühen Vorstellungswelten von Geschlecht, Klasse und Begehren ein. Nostalgie und Cringe dienen dabei als Werkzeuge, um diese Imaginarien erneut zu betrachten. Ausgehend von Bewegungsmaterial der Serie – langen Blicken, Konfrontationen, Stillstand, plötzlichen Läufen – reorganisiert die Recherche diese Elemente und öffnet sie für neue affektive Möglichkeiten.
Mit unserem Tanzresidenzprogramm NEW TECHNIQUES unterstützen wir in Berlin ansässige Künstler*innen in der ersten Berufsphase, und reflektieren gleichzeitig den Begriff der Technik in der zeitgenössischen Tanzszene.
Wir haben unsere Residenz NEW TECHNIQUES genannt, weil wir gemeinsam mit dem Tanznachwuchs über Technik nachdenken möchten – ein Begriff, der definitiv in den letzten Jahrzehnten im Diskurs der Tanzszene, Ausbildung und Kritik durch „Praxis“ ersetzt wurde – und fragen, was er in der pluralisierten Tanzwelt von heute bedeuten könnte. Dabei geht es nicht nur um die Art und Weise, wie die bestehenden Tanztechniken, die in den Schulen und Studios gelehrt werden (aus dem Ballett, der Moderne, dem zeitgenössischen Tanz oder urbanen Stilen), mit kultureller Identität, Machtdynamiken, historischen Kontexten oder sozialen Praktiken zusammenhängen, sondern auch darum, welche anderen Formen des verkörperten Wissens oder Technologien des Selbst, die in unseren Communities und Gesellschaft weitergegeben werden, Auswirkungen auf den Tanzbereich und die künstlerische Praxis der eingeladenen Choreograf*innen haben.
Das Residenzprogramm NEW TECHNIQUES ist Teil der „Residenzförderung für Berliner Tanzschaffende“, in deren Rahmen die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt im Jahr 2020 erstmalig Residenzprogramme ausgeschrieben und vergeben hat.
Mit: Burcu Bilgiç, Anton Gerzina und Nicole Wysokikamien
Künstlerische Beratung: Jen Rosenblit, Nazli Khoshkhabar
Burcu Bilgiç (TR) und Nicole Wysokikamien (UY) sind in Berlin lebende Künstler*innen und Absolvent*innen des Masterstudiengangs Solo/Dance/Authorship am HZT Berlin. Ihre künstlerischen Praktiken begegnen sich in einem gemeinsamen Interesse an Choreografie, Text und kulturellem Gedächtnis. Ausgehend von ihren Herkunftskontexten in der Türkei und Uruguay und arbeitend in einem europäischen Umfeld verstehen sie Tanz als einen Raum, in dem überlieferte Geschichten neu gelesen, zerlegt und spielerisch neu zusammengesetzt werden können.
Ihre Zusammenarbeit bewegt sich zwischen Bewegungsrecherche, dramaturgischer Untersuchung und Humor und fragt danach, wie Körper Geschichte tragen und wie Bewegung festgeschriebene Narrative verschieben kann. In Performances, Texten und interdisziplinären Austauschformaten entwickeln sie intime und zugleich kritische Dialoge, die Verbindungen zwischen Orten, Sprachen und Generationen nachzeichnen. Dabei verstehen sie Choreografie als einen Ort, an dem kulturelle Grenzen durchlässig werden und neue Formen von Beziehung entstehen.
Neben ihrer gemeinsamen Arbeit entwickeln Bilgiç und Wysokikamien weiterhin unabhängig voneinander ihre jeweiligen Soloarbeiten und Forschungsprojekte.