NEW TECHNIQUES XVI: Hana Umeda, Cheng-jung Tsai, Frieda Luk – Sophiensæle | Freies Theater in Berlin
NEW TECHNIQUES XVI: Hana Umeda, Cheng-jung Tsai, Frieda Luk
Im März/April 2026 begrüßen die Sophiensæle die Choreograf*innen Hana Umeda, Cheng-jung Tsai und Frieda Luk gemeinsam mit ihrem Team im Rahmen des Tanzresidenzprogramms NEW TECHNIQUES.
Ausgehend von Anne Anlin Chengs Ornamentalism entfalten Hana Umeda, Cheng-jung Tsai und Frieda Luk kollektiv, was es bedeutet – und was es kostet –, als Gelbe Frau in einer weiß-dominierten Gesellschaft zu leben, und spüren der Beziehung zwischen dem Ornamentalismus, ihren persönlichen Lebensgeschichten und verkörperten Praktiken nach.
Während der Residenz vertieften sie sich in den Ornamentalism, praktizierten verkörpertes Lesen, demontierten orientalistische Fantasien und rekonstruierten diese mit spekulativem, ahnengeneriertem Körperwissen. Mit ihren unterschiedlichen kulturellen Kontexten (Japan/Polen, Hongkong und Taiwan) untersuchen sie das ständige Aushandeln zwischen „asiatischer Weiblichkeit“ (als kolonialer Konstrukt) und „Asiatischer Weiblichkeit“ (als gelebte Erfahrung und kulturelle Ausdrucksform), während sie die Distanz zwischen Grenzen, Körpern und ihrer jeweiligen Nähe zum Weißsein kartieren. Sie fragen: „Wie kann Performance, jenseits der Reproduktion von Stereotypen, die Last der verletzten Körper Gelber Frauen teilen? Wie lässt sich der ornamentalisierte Blick verschieben und Raum für Handlungsmacht schaffen? Was haben wir als Gelbe Frauen zur intersektionalen feministischen Praxis beizutragen? Wann wurde ich gelb?“ Anstatt „gelb“ als eine durch den Kolonialismus produzierte Rassenkategorie zurückzufordern, nähern sie sich dem Begriff als Anker für kollektive Reflexion, Imagination und Solidarität.
Mit dem Residenzprogramm NEW TECHNIQUES unterstützten die Sophiensæle Künstler*innen am Anfang ihrer Karriere in Berlin und reflektiert zugleich den Begriff der Technik in der zeitgenössischen Tanzszene. Der Titel NEW TECHNIQUES verweist auf den Versuch, den Begriff „Technik“ gemeinsam mit aufstrebenden Tanzschaffenden neu zu befragen – ein Begriff, der in den letzten Jahrzehnten im Tanzdiskurs, in Ausbildung und Kritik zunehmend durch „Praxis“ ersetzt wurde.
Dabei geht es nicht nur um die Frage, wie bestehende Tanztechniken aus Ausbildung und Studio (etwa Ballett, Modern, zeitgenössischer Tanz oder urbane Stile) mit kultureller Identität, Machtverhältnissen, historischen Kontexten oder sozialen Praktiken verbunden sind. Ebenso wird untersucht, wie andere Formen verkörperten Wissens und Selbsttechnologien, die in Gemeinschaften und Gesellschaften weitergegeben werden, das Feld des Tanzes und die künstlerischen Praktiken der eingeladenen Choreograf*innen prägen.
Das Residenzprogramm NEW TECHNIQUES ist Teil der Residenzförderung für Berliner Tanzkünstler*innen, die 2020 erstmals von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt initiiert und vergeben wurde.
Residenz: Hana Umeda, Cheng-jung Tsai, Frieda Luk
Artistic Advisors: Scarlet Yu, Thu Hoai Tran
Hana Umeda, Frieda Luk und Cheng-jung Tsai begannen eine gemeinsame Recherche zu verkörperten Praktiken eines „gelben Feminismus“ und entwickelten daraus eine Freund*innenschaft, die auf einem geteilten Interesse an körperbasierten Forschungsansätzen und Community-Building beruht. Hana Umeda und Frieda Luk sind Absolvent*innen des Masterstudiengangs Solo/Dance/Authorship am HZT Berlin, während Cheng-jung Tsai einen Bachelorabschluss in Tanz an der Jerusalem Academy of Music and Dance erworben hat.
Hana Umeda, mit biografischen Bezügen zu Polen und Japan, entwickelt eine künstlerische Praxis, die die Körperlichkeit von Jiutamai in einen zeitgenössischen Kunstkontext überführt. In ihren Arbeiten untersucht sie verkörperte Erfahrungen und Transformationsmöglichkeiten und setzt sich dabei häufig mit unterschiedlichen Formen von Gewalt auseinander.
Frieda Luk aus Hongkong beschäftigt sich mit den Schnittstellen von Sprache, Erinnerung und fragmentierter Geschichte und untersucht, wie sich diese in künstlerischen Prozessen niederschlagen.
Cheng-jung Tsai aus Taiwan arbeitet an der Schnittstelle von körperlicher Praxis, Kuratieren und Community-Organizing. Die künstlerische Praxis von Cheng-jung Tsai befasst sich mit kollektivem Gedächtnis, Körperpolitiken sowie der Schaffung von Räumen für dekoloniale Imagination und Praxis.