NEW TECHNIQUES XVII: Naledi Majola – Sophiensæle | Freies Theater in Berlin
NEW TECHNIQUES XVII: Naledi Majola
Im Oktober 2026 begrüßen die Sophiensæle Choreograf*in Naledi Majola mit Team im Rahmen des Tanzresidenzprogramms NEW TECHNIQUES.
Die Recherche ist inspiriert von der Geschichte Schwarzer südafrikanischer Musiker*innen während der Apartheid, insbesondere jener, die im Westen im Exil lebten. Sie verortet die politischen Umstände und persönlichen Wege, die diese Musiker*innen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf internationale Bühnen führten, auf einem historischen Kontinuum, auf dem sich zeitgenössische afrodiasporische Künstler*innen heute wiederfinden. Was braucht es, um auf diesen Bühnen anzukommen, und was geschieht auf ihnen? Die Klänge und Bewegungen dieser Musiker*innen treffen auf die Arbeit der Performer*innen Naledi Majola, Sarhaly aka Goldie und Chiyedza Mukada sowie von Musikerin und Gesangslehrerin Lindiwe Pale, die gemeinsam eine Gruppen-Performancepraxis entwickeln. Ihr Ausgangspunkt ist die Frage: „Wie singen wir durch den Körper?“
Prinzipien, die in der Musik verankert sind, wie Rhythmus, chorisches Unisono, Call-and-Response und Wiederholung, übertragen sie auf Bewegungs- und Stimmrecherchen. Die choreografischen Formationen von Gesangsgruppen wie dem Disco-Trio Joy werden zum Katalysator für topografische Erkundungen der Frage, wie sich ein Ensemble gemeinsam durch den Raum bewegt. Welche Affekte, Bilder und Geschichten entstehen, während sich die Praxis entwickelt?
Mit dem Residenzprogramm NEW TECHNIQUES unterstützten die Sophiensæle Künstler*innen am Anfang ihrer Karriere in Berlin und reflektieren zugleich den Begriff der Technik in der zeitgenössischen Tanzszene. Der Titel NEW TECHNIQUES verweist auf den Versuch, den Begriff „Technik“ gemeinsam mit aufstrebenden Tanzschaffenden neu zu befragen – ein Begriff, der in den letzten Jahrzehnten im Tanzdiskurs, in Ausbildung und Kritik zunehmend durch „Praxis“ ersetzt wurde.
Dabei geht es nicht nur um die Frage, wie bestehende Tanztechniken aus Ausbildung und Studio (etwa Ballett, Modern, zeitgenössischer Tanz oder urbane Stile) mit kultureller Identität, Machtverhältnissen, historischen Kontexten oder sozialen Praktiken verbunden sind. Ebenso wird untersucht, wie andere Formen verkörperten Wissens und Selbsttechnologien, die in Gemeinschaften und Gesellschaften weitergegeben werden, das Feld des Tanzes und die künstlerischen Praktiken der eingeladenen Choreograf*innen prägen.
Das Residenzprogramm NEW TECHNIQUES ist Teil der Residenzförderung für Berliner Tanzkünstler*innen, die 2020 erstmals von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt initiiert und vergeben wurde.
Naledi Majola, Performer*in und Künstler*in aus Südafrika, lebt in Berlin. Nach dem Bachelorstudium in Theatre and Performance mit Schwerpunkt Schauspiel an der University of Cape Town (2014–2017) arbeitete Majola als Schauspieler*in in verschiedenen Film-, Fernseh-, Theater- und Werbeprojekten. Parallel dazu entwickelte Majola eine Performance- und Recherchepraxis, die Medien wie Bewegung, Stimme, Sounddesign und Schreiben umfasst.
Nach einigen Jahren in Kapstadt zog Naledi Majola nach Berlin und schloss 2024 den Masterstudiengang Solo/Dance/Authorship am HZT Berlin ab. Majolass Arbeiten versuchen, die Grenze zwischen Theorie und Praxis aufzulösen, und sind inspiriert von Performance Studies, Popkultur sowie südafrikanischer Geschichte und Kunst.