Simone Dede Ayivi & Kompliz*innen: Schwarze Leute – Reclaiming Memories – Sophiensæle | Freies Theater in Berlin

Simone Dede Ayivi & Kompliz*innen: Schwarze Leute – Reclaiming Memories

Eine Person steht vor einer Wand und blickt ruhig in die Kamera. Sie trägt ein offenes, beigebraunes Hemd über einem schwarzen Top. Auf die Wand hinter ihr sind verblasste Schwarz-Weiß-Fotos von Kindern und Schreibmaschinentext projiziert. Ihr Schatten fällt auf die Projektion.

Schwarze Leute – Reclaiming Memories ist eine späte Akteneinsicht. Schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg kamen im Nachkriegsdeutschland afrodeutsche Kinder zur Welt: Kinder von weißen deutschen Frauen und Schwarzen Soldaten der US-Armee. Politiker*innen und Behörden erklärten diese Kinder zum Problem und sorgten dafür, dass viele von ihnen nicht in ihren Familien aufwuchsen, sondern in Heimen untergebracht oder ins Ausland geschickt wurden.

Viele dieser Lebensgeschichten begannen in West-Berlin, aber auch in Frankfurt am Main, Mannheim, Stuttgart – überall im amerikanischen Einflussgebiet. Erforscht ist dieser Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte bis heute kaum.

Was in Unauthorized und Unverschämt (Sophiensæle, 2024) als biografische Recherche begann, weiten Simone Dede Ayivi & Kompliz*innen jetzt zu einer Untersuchung von institutionellem Rassismus in der jungen Bundesrepublik aus. Wie war so etwas nach dem Ende des Nationalsozialismus möglich – und wie finden wir eine Sprache, die Betroffene schont, aber mit einer weitgehend gleichgültigen Gesellschaft schonungslos ins Gericht geht?

Schwarze Leute fragt nach dem gegenwärtigen Umgang mit der Geschichte bürokratischer Gewalt: nach fehlender Transparenz, institutioneller Trägheit und emotionaler Belastung derer, denen auch nach Jahrzehnten keine Akteneinsicht gewährt wird.

Einfach gesagt

Schwarze Leute – Reclaiming Memories erzählt von afrodeutschen Kindern nach 1945. Ihre Mütter waren weiße Deutsche, ihre Väter Schwarze US-Soldaten. Behörden trennten viele Kinder von ihren Familien. Das war Rassismus. Simone Dede Ayivi & Kompliz*innen fragen: Wie war das möglich? Und warum dürfen Betroffene ihre Akten bis heute nicht sehen?

Premiere Ticket

Die Performance thematisiert Rassismus und rassistische Gewalt, unter anderem durch Behörden, im Schulsystem sowie in Form psychischer und sprachlicher Gewalt. Im gezeigten Archivmaterial ist rassistische Sprache zu lesen und zu hören.

Die Infos zur Barrierefreiheit sind in Arbeit und werden so bald wie möglich erweitert. Wenn bis dahin Fragen offenbleiben, wenden Sie sich gerne an die Kommunikationsabteilung unter barrierefreiheit@sophiensaele.com oder 030 27 89 00 35. Bitte beachten Sie, dass sich Einzelheiten gegebenenfalls bis zum Veranstaltungstag ändern. Sollten Sie deshalb erst nach dem Erwerb Ihres Tickets erfahren, dass die Vorstellung für Sie nicht länger barrierefrei ist, können Sie uns bis 5 Werktage nach der Veranstaltung für eine Ticketrückgabe unter ticketing@sophiensaele.com oder 030 27 89 00 45 kontaktieren (Montag bis Freitag zwischen 10 und 18 Uhr).

Early Boarding

Falls die Tür zum Saal aus künstlerischen Gründen erst sehr kurz vor Vorstellungsbeginn öffnet, besteht die Möglichkeit zum Early Boarding.

Tickets

  • Über das Kartentelefon reservierbar unter 030 283 52 66, Montag bis Freitag von 16-18 Uhr
  • Über den Online-Ticketshop
  • An der Abendkasse

Weitere Informationen zur Barrierefreiheit am Haus finden Sie außerdem hier.

Konzept, Text, Performance: Simone Dede Ayivi
Dramaturgie: Jens Hillje
Bühne: Lani Tran-Duc
Kostüm: Mariama Sow
Sound, Musik: Johannes Birlinger
Video: Jones Seitz, Fine Freiberg
Licht, Special Effects: Frieder Miller
Outside Eye: Bahar Meriç
Technische Leitung: Lui Marschweski
Künstlerische Projektmitarbeit: Charlotte Rosengarth
Ausstattungsmitarbeit: Luca Plaumann
Presse: Sarah Rosenau
Produktionsleitung: ehrliche arbeit - freies Kulturbüro

Eine Produktion von Simone Dede Ayivi & Kompliz*innen in Koproduktion mit Sophiensæle und dem Künstler*innenhaus Mousonturm. Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Hauptstadtkulturfonds. Medienpartner: The Berliner, Missy Magazine, Siegessäule, taz, tip Berlin.

Simone Dede Ayivis Performances erörtern Fragen von Repräsentation, Widerstand und Community. Ihre Arbeiten sind biografisch motivierte, meist interviewbasierte Rechercheprojekte. Sie beschreitet Wege des Erinnerns und Wiederfindens – und rückt politische Kämpfe und Bewegungen, Schwarze Geschichte und Gegenwart ins Scheinwerferlicht. Durch die Verwendung von aufgezeichneten Gesprächsrunden, Interviews und politischen Redebeiträgen, versucht sie die Stimmen marginalisierter Communities zu verstärken. Mit afrofuturistischen Erzählungen schafft sie im Theater einen Raum zum Grübeln, Übersetzen und neu Erfinden. Einen Raum für Utopien. Dede Ayivi legt ihre Recherchemethoden und die Mittel des Theaters offen und lässt so das Publikum Teil ihres inhaltlichen und ästhetischen Suchprozesses werden. Dabei wird auch die Konstruktion von Bildern thematisiert und Sehgewohnheiten hinterfragt.

Mit ihren Kompliz*innen entwickelte sie Performances in Kooperation mit den Sophiensælen, dem Pavillon Hannover, dem Künstler*innenhaus Mousonturm Frankfurt sowie dem Festival Theaterformen. Als Regisseurin war sie unter anderem am Schauspielhaus Graz und dem Theater Oberhausen, am Deutschen Theater Berlin tätig. 2022 erhielt Simone Dede Ayivi die Tabori-Auszeichnung des Fonds Darstellende Künste. 2025 war Simone Dede Ayivi & Komplizinnen mit Autsch – Warum geht es mir so dreckig? eingeladen zum Impulse Festival für Performance, Theater & Tanz.

  • Eine Person steht vor einer hell erleuchteten, mintgrünen Wand aus Glaselementen und blickt ernst in die Kamera. Sie trägt eine glänzende graublaue Bluse über einem schwarzen Top und hat einen Arm über den Kopf erhoben. Um sie herum wirbeln Papierblätter durch die Luft.
    © Gedvilė Tamošiūnaitė
  • Eine Person blickt mit leicht geneigtem Kopf ernst in die Kamera. Sie trägt ein beigebraunes Hemd. Auf die Wand hinter ihr ist ein verblasstes Amtsschreiben in Schreibmaschinenschrift projiziert, darüber Schwarz-Weiß-Fotos von zwei lachenden Kindern. Ihr Schatten fällt auf die Projektion.
    © Gedvilė Tamošiūnaitė
  • Eine Person lehnt an einer Wand und blickt nachdenklich seitlich an der Kamera vorbei, die Arme hängen locker herab. Sie trägt ein beigebraunes Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln und eine schwarze Hose. Auf die Wand und ihren Körper sind historische Schwarz-Weiß-Fotos von zwei Kindern mit Schultüten und ein Amtsschreiben mit dem Stempel „Stadt Mannheim, 8. DEZ. 1959“ projiziert.
    © Gedvilė Tamošiūnaitė