Hendrik Quast: Spill Your Guts: Waiting Room Visions – Sophiensæle | Freies Theater in Berlin
Hendrik Quast: Spill Your Guts: Waiting Room Visions
Sein Darm hat eine Stimme, und sie ist gnadenlos. Ihr einziger Gedanke: Bluten soll er! Spill Your Guts ist eine schwarzhumorige Bauchredner-Show über einen Darm, der durchdreht. Halb gesund, halb krank, steht Hendrik Quast gemeinsam mit einer scharfzüngigen Puppe auf der Bühne, die seine Krankheit verkörpert: eine chronische, unsichtbare, entzündliche Kraft – ein dysfunktionaler Double-Act, der sich gegen ihn wendet. Mittels Theater, Comedy und Musical streitet Quast mit seiner Puppe über Scham und über das, was nach außen gespült wird: Geschichten von unverdauten Resten, vom Gesundheitssystem, ungeheuerliche Krankheitsanekdoten und von unsichtbarer Behinderung.
Für dieses Projekt hat der Performance- und Aktionskünstler Hendrik Quast die Kunst des Bauchredens erlernt, um sein eigenes Verhältnis zu seinem Darm zu erforschen. Quasts Alltagserfahrungen mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) eröffnen für das kranke und gesunde Publikum neue Sprechweisen und ungewöhnliche Räume für Galgen- und Fäkalhumor. Mit den Mitteln der Unterhaltungskunst stellen der Künstler und sein Team die Frage: Wer hat eigentlich die Deutungshoheit über den kranken Körper – die Medizin, die Patient*innen oder die Krankheit selbst?
Nach der Premiere von Spill Your Guts in den Sophiensælen 2022, der Einladung zum Festival radikal jung 2024 und der Hörspielbearbeitung für den WDR, bringen Hendrik Quast und seine Puppe mit Spill Your Guts: Waiting Room Visions eine englischsprachige Neuentwicklung auf die Bühne, die im August im Rahmen des Edinburgh Fringe-Festivals Premiere feiert. Damit eröffnet sie eine Disability-Arts-Perspektive auf Hidden Disabilities, die Crip Comedy, Personifikation und Theater auf eigentümliche Weise miteinander verbindet.
Einfach gesagt
Hendrik Quast führt eine Bauchredner-Show mit einer Puppe auf. Die Puppe spricht für seinen kranken Darm. Spill Your Guts ist eine Show mit schwarzem Humor. Es geht um Scham und Medizin: Wer bestimmt über den Körper? Das Stück ist eine neue Version auf Englisch.
Die Infos zur Barrierefreiheit sind in Arbeit und werden so bald wie möglich erweitert. Wenn bis dahin Fragen offenbleiben, wenden Sie sich gerne an die Kommunikationsabteilung unter barrierefreiheit@sophiensaele.com oder 030 27 89 00 35. Bitte beachten Sie, dass sich Einzelheiten gegebenenfalls bis zum Veranstaltungstag ändern. Sollten Sie deshalb erst nach dem Erwerb Ihres Tickets erfahren, dass die Vorstellung für Sie nicht länger barrierefrei ist, können Sie uns bis 5 Werktage nach der Veranstaltung für eine Ticketrückgabe unter ticketing@sophiensaele.com oder 030 27 89 00 45 kontaktieren (Montag bis Freitag zwischen 10 und 18 Uhr).
Early Boarding
Falls die Tür zum Saal aus künstlerischen Gründen erst sehr kurz vor Vorstellungsbeginn öffnet, besteht die Möglichkeit zum Early Boarding.
Tickets
- Über das Kartentelefon reservierbar unter 030 283 52 66, Montag bis Freitag von 16-18 Uhr
- Über den Online-Ticketshop
- An der Abendkasse
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Text, Performance, Konzept, Raum: Hendrik Quast
Puppe, Maske, Kostüme: Christina Neuss
Licht: Maika Knoblich, Hendrik Borowski
Sound: Toben Piel
Coaching Bauchreden: Marcus Geuss
Dramaturgie: Alex Hennig
Künstlerische Mitarbeit: Florian Fischer
Bühne: Jonas Maria Droste
Künstlerische Assistenz: Michel Wagenschütz
Basierend auf einer Übersetzung von: David Tushingham
Produktionsleitung: Maret Zeino-Mahmalat, Lisa Gehring
Eine Produktion von Hendrik Quast in Koproduktion mit Sophiensæle, Kampnagel Hamburg und dem Künstler*innenhaus Mousonturm. Gefördert durch die Wiederaufnahmeförderung der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und durch den Hauptstadtkulturfonds. Unterstützt durch das Residenzprogramm der Akademie Schloss Solitude Stuttgart, Schloss Bröllin und Cimma Cità. Medienpartner: Missy Magazine, Siegessäule, taz.
Mit einem prozessualen Theaterbegriff widmet sich Hendrik Quast darstellerischen Techniken wie Bauchrednern, Pantomime oder Musicalgesang und geht der Entgrenzung von Unterhaltungskultur nach. Diese lässt er mit Alltagspraktiken, Handwerken und Kulturtechniken wie Tierpräparation, Trauerfloristik oder Nageldesign kollidieren. Quasts Performances spielen mit grotesken und fäkalen Elementen und nutzen Komik als Mittel zur Unterbrechung von Sprechweisen, Textformen und Dramaturgie. Biografische Bezüge werden dabei durch Anleihen aus Unterhaltungskultur fiktionalisiert, theatral überhöht und verfremdet. Durch Ambivalenzen eines humoristischen Zugriffs werden auch gewaltsame Mechanismen von Identitätszuschreibungen befragt. 1985 in Celle geboren, studierte der queere Aktions- und Performancekünstler am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Er arbeitet seit 2009 als Solokünstler sowie in künstlerischen Kooperationen mit u.a. Maika Knoblich. Diese Performances wurden mit Institutionen wie Künstler*innenhaus Mousonturm (Frankfurt am Main), Gessnerallee (Zürich), FFT Düsseldorf, Theater Rampe (Stuttgart), Sophiensæle sowie Kampnagel (Hamburg) realisiert. Seine Arbeiten waren bei internationalen Performance- und Kunstfestivals wie u. a. Radikal jung, Impulse Theater Festival, steirischer herbst, Festival a/d Werf (Utrecht) und Internationales Sommerfestival Kampnagel (Hamburg) zu sehen. Für den WDR Köln adaptierte er mehrere Theaterarbeiten als Hörspiele (u.a. Nagelneu, 2021, ausgezeichnet als Hörspiel der Jahres 2021 durch die Deutsche Akademie für Darstellende Künste). 2022 war er Stipendiat auf Schloss Solitude in Stuttgart und in der Villa Kamogawa in Kyoto, Japan. Seit 2023 ist Quast künstlerischer PhD-Kandidat an der Stockholm University of the Arts (in Kooperation mit der Zürcher Hochschule der Künste) und promoviert zum Thema Humor und Krankheit in den performativen Künsten.