Performing Memory

Rebecca Schneider

Slough Media

Memory, Performance, and the Labor of Obsolescence

Lange Zeit galt die Performance als Kunst des Ephemeren und Einmaligen, das in der Wiederholung als Differenz zutage tritt und sich der Wiederholbarkeit und Archivierung entzieht. Die Akzentverschiebung in der ästhetischen Reflexion zur Materialität des Performativen und zum Körper als Archiv (der Erfahrung, der Geschichte) haben ebenso wie eine Welle von künstlerischen Wiederholungsexperimenten und performativen Rekonstruktionen (reenactments) neue theoretische Perspektiven auf die performativen Künste insgesamt eröffnet. Das Symposion nimmt die memorialen Aspekte der Performance ins Visier. Gehört die These von der Performativität der (individuellen und kulturellen) Gedächtnisprozesse zum kulturwissenschaftlichen Allgemeinwissen, so ist die Frage nach der Performance als Gedächtniskunst keineswegs selbstverständlich. Inwieweit lässt sich die Performance als Kunst des (Körper-)Gedächtnisses verstehen? Von welchem Gedächtnis- bzw. Archiv-Konzept können wir bei den performativen Rekonstruktionen ausgehen? Welche Erinnerungsarbeit wird in der Performance-Kunst geleistet? Worin unterscheiden sich performative und narrative Gedächtnisformen? Bietet das Repertoire verkörperter Handlungen einen alternativen Zugang zur Geschichte? Ausgehend von der semantischen Vielfalt der Kategorie Performance werden unterschiedliche Gedächtnispraktiken diskutiert, die auf dem Wiederholungsprinzip gründen: Strategien des Umgangs mit den Archiven in Form von performativen Rekonstruktionen in der Kunst, Literatur, im Theater und Film, künstlerische Reinszenierungen von sozialen, kulturellen und ästhetischen Erscheinungsformen der Performance sowie andere Aufführungsformate, die der Transmission kulturellen Wissens dienen sowie die Vergegenwärtigung aber auch Rekonfiguration von bereits etablierten Bedeutungen ermöglichen. Das Symposion besteht aus drei öffentlichen, moderierten Vorträgen (master lectures mit Diskussion) an drei Abenden. Die Vortragenden forschen im Bereich der Performance-Kunst und verbinden innovatives theoretisches Denken mit künstlerischer und kunstdidaktischer Praxis.

 

Rebecca Schneider ist Professorin am Department for Theatre Arts and Performance Studies an der Brown University. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Theorie der Perfomance, Theatergeschichte, Intermedialität. Sie ist Autorin von The Explicit Body in Performance (1997), Performing Remains: Art and War in Times of Theatrical Reenactment (2011), Theatre and History (2014) sowie Mitherausgeberin u.a. der Buchreihe Theatre: Theory/Text/Performance (University of Michigan Press) sowie der Zeitschrift TDR: The Drama Review. Sie arbeitet mit Künstler_innen zusammen, u.a. am British Museum in London und in der Mobile Academy in Berlin. Zahlreiche Vorträge u.a. am Guggenheim-Museum in New York, Gulbenkian-Museum in Lisbon, Museum of Modern Art in Warschau, Musée d’art contemporain de Montréal sowie am Centre National de la Danse in Paris. In ihrem Vortrag spricht Rebecca Schneider über die komplexe Beziehung zwischen Performance und Dokumentation im Kontext nicht nur kunsthistorischer, sondern auch anthropologischer und archäologischer Diskurse.



Konzeption, Organisation Prof. Dr. Magdalena Marszałek (Universität Potsdam), Prof. Dr. Dorota Sajewska (Universität Zürich / Universität Warschau), Prof. Dr. Małgorzata Sugiera (Jagiellonen Universität Krakau)


Symposion im Rahmen des internationales Forschungsprojekts Performances of Memory: Testimonial, Reconstructive and Counterfactual Strategies in Literature and Performative Arts of the 20th and 21st Centuries. Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Nationalen Wissenschaftszentrum (NCN, Polen).



Symposion


Aufführungen

2018
mai
24 
18:00 UHR


ORT
Kantine


EINTRITT FREI



Deutsch + Englisch















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