Haus-Geschichten #2 – Sophiensæle | Freies Theater in Berlin
Haus-Geschichten #2
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Sophien-Säle (historische Schreibweise) im damaligen Handwerkervereinshaus ein Ort für Bildung, Kultur und politische Versammlungen – eng verbunden mit der Geschichte von Arbeiter*innenbewegungen und kollektiver Organisierung. Nach Verbot des Vereins, Insolvenz und Zwangsversteigerung des Gebäudes wurde dieser Ort in der NS-Zeit in ein System von Gewalt und Ausbeutung eingebunden: In den Gebäuden der heutigen Sophiensæle befand sich ein Lager für Zwangsarbeiter*innen. Viele von ihnen stammten aus den von Deutschland besetzten Gebieten Osteuropas, insbesondere aus der Ukraine.
Die Haus-Geschichten sind ein Gesprächsformat in den Sophiensælen, das von der Geschichte des Hauses ausgeht und mit Fragen der Gegenwart verbindet. In der zweiten Ausgabe laden wir dazu ein, mit Gästen ins Gespräch zu kommen – über die Geschichte der Zwangsarbeit in den Sophiensælen während der NS-Zeit sowie über den Umgang mit diesen Erinnerungen heute.
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Ukrainian Memory Week von Vitsche e.V. statt, die aus dem Bedürfnis der ukrainischen Community in Deutschland entstanden ist, Raum für ukrainische historische Erfahrungen in der europäischen Erinnerungskultur zu schaffen – verstärkt durch die russische Invasion 2022 und einschließlich der Erinnerung an Ukrainer*innen im Zweiten Weltkrieg.
Mit: Lisa Schank, Vanessa Amoah Opoku, Vitsche e.V., Stefanie Hauser & Elias Capelle (Sophiensæle)
Eine Produktion der Sophiensæle. Medienpartner: Missy Magazine, Siegessäule, taz.
Lisa Schankist Historikerin und Geschichtsvermittlerin mit einem Schwerpunkt auf der Geschichte des Nationalsozialismus. Sie war unter anderem für die Gedenkstätte Buchenwald und das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit tätig. Zu ihren Projekten gehören die Erstellung eines digitalen Bildungsportals zur NS-Zwangsarbeit, die Erarbeitung einer Ausstellung zur NS-Zwangsarbeit in Villingen-Schwenningen sowie Bildungsmaterialien, Texte und Lektorate für verschiedene Institutionen. Schank interessiert sich für die zeitgemäße Vermittlung der Geschichte des Nationalsozialismus und die Frage, wie Verbindungslinien zwischen dem NS und anderen Zeitschichten differenziert erforscht und gegenwartsrelevant sichtbar gemacht werden können.
Vanessa Amoah Opoku ist eine deutsch-ghanaische interdisziplinäre Künstlerin, die Geschichte, Digitalität und marginalisierte Narrative durch gemischte Realitäten erforscht. Sie nutzt Kunst, Wissenschaft und Technologie, um konventionelle Vorstellungen von Innovation und Zukunftsvisionen zu hinterfragen. Zu ihren wichtigsten künstlerischen Mitteln gehören 3D-Scans, Video, Skulptur, Performance und Sound. Opoku hatte Einzelausstellungen im EIGEN+ART Lab in Berlin, Synnika Frankfurt a. M. und HBS Research Centre of the Times Museum Guangzhou. Sie hat in Institutionen wie dem Belvedere 21 Wien, Deichtorhallen Hamburg, Fotomuseum Winterthur und Staatstheater Nürnberg ausgestellt. Kürzlich wurde sie für den S+T+ARTS Preis 2025 der Europäischen Kommission und Ars Electronica nominiert. Neben ihrer künstlerischen Praxis unterrichtet Opoku u.a. an der HGK Basel FHNW, Institute Experimental Design and Media Cultures (IXDM). Sie lebt und arbeitet in Berlin und Basel.