Göksu Kunak: INNOCENCE – Sophiensæle | Freies Theater in Berlin
Göksu Kunak:
INNOCENCE
INNOCENCE basiert auf dem Susurluk-Skandal, einem berühmt-berüchtigten Autounfall in der Türkei der 1990er-Jahre: Der vermeintlich alltägliche Unfall führte zu der Aufdeckung krimineller Verbindungen zwischen staatlichen Institutionen, der Drogenmafia und Strukturen eines Staats im Staate. In INNOCENCE reflektiert Göksu Kunak eine Politik des Verschweigens und Vertuschens und erforscht Unfall und Skandal als Phänomen; als Moment, in dem Technologie ihre potenziell gravierenden Auswirkungen offenbart. Aber auch als Moment, in dem Irrtümer und Wahrheiten unserer konstruierten Realität zutage treten. INNOCENCE zeichnet den Crash als festgehaltene Momentaufnahme, in der sich Beziehungen herauskristallisieren: ein Verkehrsunfall als wertfreier Augenblick, weder gut noch schlecht, aber dramatisch wie eine Seifenoper.
Der Susurluk-Skandal als Grauzone offenbart die Ungenauigkeiten einer starren Ost-West-Dichotomie und verschließt sich einfachen Schlussfolgerungen. Das Auto als fetischisiertes Objekt und der Unfall sind für Kunak Metaphern für das korrumpierte patriarchalische politische System in der Türkei und den Crash der türkischen Modernisierung. INNOCENCE ist der Versuch einer Genealogie der Korruption im Land, der Unterdrückung von Minderheiten und wirft auch einen Blick auf die Grausamkeiten, die durch den westlichen Imperialismus an der Türkei und am Nahen Osten/Südwestasien verübt wurden.
INNOCENCE ist die dritte Koproduktion von Göksu Kunak mit den Sophiensælen und eröffnete im September 2024 die Spielzeit der Sophiensæle. 2025 erhielt Göksu Kunak den Kunstpreis der Akademie der Künste (Berlin Prize for Art).
„Kunak, geboren 1985 in Ankara, ist [eine*r der interessantesten Performer*innen] der Gegenwart; [Kunak] verbindet Tanz, Theater und politische Ikonographie, Körperbeherrschung und die absurde Schönheit früher Matthew Barney-Arbeiten mit Slapstick – und befreit das Genre der Performance aus dem […] Ausdrucks- und Immersionskitsch, in dem es lange festsaß.“
Niklas Maak, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.09.2024
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Dauer
- 90 Minuten ohne Pause
Sprache
- englische Lautsprache
Raum
- Der Festsaal wird nach 50 Minuten verlassen. Die letzte Szene der Performance findet im Innenhof statt.
Sound
- Es wird laute Musik eingesetzt.
- Im Hof wird ein großer Wetterballon aufgeblasen. Dieser platzt und verursacht ein lautes Geräusch.
Gerüche
- An einer Stelle des Stücks wird an das Publikum stark riechendes Rosenwasser verteilt (freiwillig).
Licht
- Es werden Spotlights von oben eingesetzt.
- die Lichtstimmung ist eher dunkel.
- Es wird Stroboskoplicht eingesetzt (im Innenhof).
Sonstiges
- Es gibt Videoprojektionen.
- Einige der Videoprojektionen zeigen Sequenzen von Autounfällen.
Publikum
- Bestuhlte Tribüne
- 2 Sitzsackplätze buchbar nach Verfügbarkeit
- 2 Rollstuhlplätze buchbar nach Verfügbarkeit
- Die letzte Szene der Performance findet im Innenhof ohne Sitzplätze statt. Es werden einige Hocker zur Verfügung gestellt. Sitzsäcke werden nach Buchung zur Verfügung gestellt.
Early Boarding
- Es besteht die Möglichkeit zum Early Boarding. Eine Lautsprecherdurchsage macht einige Minuten vorher darauf aufmerksam.
Tickets
- Über das Kartentelefon reservierbar unter 030 283 52 66, Montag bis Freitag von 16-18 Uhr
- Über den Online-Ticketshop
- An der Abendkasse
Weitere Informationen zur Barrierefreiheit am Haus finden Sie außerdem hier.
Konzept, Text, Installation, Licht, Performance: Göksu Kunak
Mit: Bilgesu Akyürek, Felix Beer, Buğra Büyükşimşek, Chima Okerenkwo, Leo Luchini
Choreografie (erste Tanzszene): Buğra Büyükşimşek, Göksu Kunak
Beratung Licht: Annegret Schalke
Mitarbeit Bühne, Dokumentation: SynthTati
Beratung Stunt: Sascha Girndt
Outside Eye: Çağla Ilk
Mitarbeit Produktion: Ben Mohai
Produktionsleitung: Florian Greß
Produktionsleitung (Wiederaufnahmenförderung): Wiebke Wesselmann
Eine Produktion von Göksu Kunak in Koproduktion mit Sophiensæle und DE SINGEL Antwerpen. Gefördert durch den Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Medienpartner: Missy Magazine, Siegessäule, taz.
Göksu Kunak (Ankara, 1985) ist ein*e in Berlin lebende*r Künstler*in, Forscher*in und Autor*in. Göksus Arbeit beschäftigt sich mit Chronopolitik, hybriden und mehrsprachigen Texten sowie performativen Sprachen, die von nicht-westlichen Dramaturgien und der Arabesk-Kultur geprägt sind. In den Performances, Installationen und Texten thematisiert Kunak hetero-patriarchale Strukturen, Orientalismus und Selbstorientalisierung durch spekulative, partiturbasierte Ansätze und arbeitet mit dem Körper als Simulakrum und Skulptur.
Im Jahr 2025 erhielt Kunak den Kunstpreis der Akademie der Künste (Berlin). Kunaks Arbeiten werden weltweit gezeigt, darunter Performa Biennale (New York), Neue Nationalgalerie (Berlin), Van Abbe Museum (Eindhoven), De Singel Arts Center (Antwerpen), Kaaitheater (Brüssel) und KW Institute for Contemporary Art (Berlin).