MEXA: Reality Show – Sophiensæle | Freies Theater in Berlin
MEXA: Reality Show
Das Künstler*innenkollektiv MEXA gründete sich in einer öffentlichen Unterkunft für wohnungslose Menschen in São Paulo. Die Bewohner*innen lebten unter ständiger Überwachung in einem gemeinschaftlichen Raum, in dem regelmäßig neue Menschen ankamen und andere wegen Regelverstößen schnell wieder gehen mussten. In über einem Jahrzehnt gemeinsamer Arbeit hat sich MEXA stark verändert. Dennoch prägen die Turbulenzen ihrer Ursprünge die Gruppe bis heute.
In Reality Show bewohnen zehn Performer*innen eine wandelbare Umgebung, die zugleich an ein Zuhause und an ein Fernsehstudio erinnert. Möbel und Kameras erscheinen und verschwinden allmählich, während Live-Projektionen in Echtzeit bearbeitet werden. Die vertraute Grammatik des Reality-TV spiegelt sowohl ihre vergangenen Erfahrungen des kollektiven Zusammenlebens als auch ihr heutiges Leben im Theater wider und ruft eine Sichtbarkeit ohne Macht hervor, einen mit Erschöpfung verbundenen Glamour sowie Intimität, die zur Ware wird.
Die Gruppe hat sich entschieden, die Aufführungen in eine tatsächliche Reality-Show zu verwandeln – in der der*die Gewinner*in durch ein Eliminationsspiel ermittelt wird und am Ende der Staffel den Preis mit nach Hause nimmt. So reflektiert MEXA die eigene Entwicklung: über die Arbeit mit Autobiografie und dokumentarischem Theater sowie über die Erfindung von Bühnenpersönlichkeiten, die nur hier überhaupt möglich sind.
Die Arbeit beleuchtet auf diese Weise die Narrative, die von einer Gruppe erwartet werden, die aus Instabilität hervorgegangen ist – wo die Geschichten von Not und Mangel oft „die Show gewinnen“. Reality Show macht eindrücklich erfahrbar, wie wir alle bisweilen Versionen unserer selbst aufführen, um akzeptiert zu werden und wie hoch der Preis dieser ständigen Arbeit am Selbst ist. Fiktion wird zu einer Strategie des Dazugehörens und Überlebens auf Arbeits- und Wohnungs-Märkten, die ständige Sichtbarkeit und Selbstoffenbarung verlangen.
Einfach gesagt
MEXA ist eine Gruppe von Künstler*innen aus São Paulo. Sie lebten früher gemeinsam in einer Unterkunft für wohnungslose Menschen. In Reality Show zeigen zehn Performer*innen ihr Leben wie in einer Fernsehshow. Es geht um Zusammenleben, Druck, Sichtbarkeit und den Zwang, sich zu verändern, um dazuzugehören.
Die Performance thematisiert Diskriminierung, (sexualisierte) Gewalt und Ausbeutung im Zusammenhang mit den Lebensrealitäten von trans* Personen, Sexarbeiter*innen, von Armut Betroffenen, wohnungslosen Personen und Personen mit Suchterfahrung.
Die Infos zur Barrierefreiheit sind in Arbeit und werden so bald wie möglich erweitert. Wenn bis dahin Fragen offenbleiben, wenden Sie sich gerne an die Kommunikationsabteilung unter barrierefreiheit@sophiensaele.com oder 030 27 89 00 35. Bitte beachten Sie, dass sich Einzelheiten gegebenenfalls bis zum Veranstaltungstag ändern. Sollten Sie deshalb erst nach dem Erwerb Ihres Tickets erfahren, dass die Vorstellung für Sie nicht länger barrierefrei ist, können Sie uns bis 5 Werktage nach der Veranstaltung für eine Ticketrückgabe unter ticketing@sophiensaele.com oder 030 27 89 00 45 kontaktieren (Montag bis Freitag zwischen 10 und 18 Uhr).
Dauer
- 110 Minuten ohne Pause
Sprache
- Portugiesische Lautsprache mit englischen und deutschen Untertiteln.
- Es gibt projizierte Textbeiträge (geschriebene Sprache) auf Portugiesisch und Englisch.
- Die Performance ist sehr textlastig
Licht
- Die Bühne ist größtenteils hell beleuchtet; für Projektionen wird das Licht gedimmt und die Bühne abgedunkelt.
- Sehr abrupte und viele Lichtwechsel
- Es gibt Momente mit Gegenlicht
- Es wird Stroboskoplicht eingesetzt
- Das Publikum sitzt größtenteils im Dunkeln. Während der letzten Szene wird der Zuschauerraum beleuchtet
Sound
- Es gibt sehr laute Soundeffekte und Überraschungseffekte
- Es gibt laute Musik
- Während der Performance überlappen sich häufig viele verschiedene Sounds (laute Musik, Stimmengewirr, Schreie)
Interaktion
- In den letzten Szenen werden Zuschauer gefilmt und auf der Leinwand gezeigt.
- In der letzten Szene wird das Publikum auf die Bühne gebeten. Die Teilnahme ist freiwillig.
Sonstiges
- Es gibt Projektionen. Diese zeigen Filme und Titelkarten mit Bewegungs- und Soundeffekten. Sie sind sehr farbenfroh.
Publikum
- bestuhlte Tribüne
- 2 Sitzsäcke buchbar nach Verfügbarkeit
- 2 Rollstuhlplätze buchbar nach Verfügbarkeit
Early Boarding
Es besteht die Möglichkeit zum Early Boarding. Eine Lautsprecheransage wird darauf aufmerksam machen.
Tickets
- Über das Kartentelefon reservierbar unter 030 283 52 66, Montag bis Freitag von 16-18 Uhr
- Über den Online-Ticketshop
- An der Abendkasse
Weitere Informationen zur Barrierefreiheit am Haus finden Sie außerdem hier.
Konzept: MEXA
Regie, Dramaturgie: João Turchi
Performance, Co-Creators: Aivan, Ale Tradução, Dourado, Laysa Elias, Lucas Heymanns, Ph Verissima, Podeserdesligado, Suzy Muniz, Tatiane Arcanjo, Veronika Verão
Produktionskoordination: Francesca Tedeschi/Casa do Povo
Recherche, Regieassistenz: Lucas Heymanns
Videoperformer, Videokunst, technische Leitung: Laysa Elias
Sounddesign, Originalmusik: Podeserdesligado
Bühnenbild: Vão
Produktionsdesign: Lu Mugayar
Kostümdesign: Anuro Anuro e Cacau Francisco
Grafikdesign, Visual Identity: Margem
Choreografie: Alexandre Paulikevitch
Dramaturgische Mitarbeit: Julia Pedreira
Titelsong: Dourado
Lichtdesign, Videoinstallation: Bio Riff, Juliana Bucaretchi
Videotechnik: Fagner Lourenço
Lichttechnik: Claudi
Danksagungen: Guilherme Giufrida, Team von Casa do Povo, Esponja
Eine Produktion von MEXA in Koproduktion mit Sophiensæle, Festival d' Automne à Paris, Kunstenfestivaldesarts und Casa do Povo. Das Gastspiel wird ermöglicht durch das Goethe Institut. Never Work – Internationales Performance-Festival ist ein Festival der Sophiensæle, gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds. Die Sophiensæle werden gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Medienpartner: Berlin Art Link, Missy Magazine, Siegessäule, taz.
MEXA ist ein seit 2015 in São Paulo tätiges Künstler*innenkollektiv. Entstanden im Kontext von Wohnungslosenunterkünften, erforscht die Gruppe die Grenzbereiche zwischen Realität und Fiktion, Autobiografie, Dokumentarfilm und Theater des Realen und bewegt sich dabei fließend zwischen Performance, Theater, Video und Fotografie. MEXA war an mehreren Ausstellungen beteiligt, darunter bei der 36. São Paulo Biennale (2025), dem 38. Panorama of Brazilian Art (2024), Dance Histories am Museu de Arte de São Paulo (2020) sowie Gruppenausstellungen in der Pinacoteca do Estado de São Paulo, im Museu do Ipiranga und in der Biblioteca Mario de Andrade. Im Jahr 2019 erhielt MEXA den Denilto-Gomes-Tanzpreis in der Kategorie „Perspectives on Black and Gender Aesthetics“. Im szenischen und performativen Bereich feierte Pumpitopera Transatlântica 2023 beim Kunstenfestivaldesarts (Brüssel) Premiere und wurde später im HAU Hebbel am Ufer (Berlin), im Teatro do Bairro Alto (Lissabon), bei Kampnagel (Hamburg), dem Transform Festival (Leeds), in São Paulo (Casa do Povo, SESC Ipiranga), Santos (Festival Mirada), Curitiba (Museu Paranaense) und Belém (Pulsa Festival) gezeigt. Im Jahr 2024 feierte ihre Arbeit The Last Supper Premiere beim Kunstenfestivaldesarts (Brüssel), in der Kaserne Basel, bei Theaterformen (Braunschweig), in den Sophiensælen, beim Festival d’Automne (Paris), bei Actoral (Marseille), bei Take Me Somewhere (Glasgow) und beim Transform Festival (Leeds). Das Kollektiv ist seit 2016 Artist-in-Residence in der Casa do Povo.