Göksu Kunak: An(a)kara – Sophiensæle | Freies Theater in Berlin
Göksu Kunak:
An(a)kara
Willkommen in einer rückständigen Utopie, ein Ticket zu einer Gesellschaft zwischen den Zeiten – und den damit verbundenen Verlusten: AN(A)KARA ist eine Sci-Fi-TV-Varieté-Show, moderiert von Gucci Chunk alias Göksu Kunak, die die Spätmoderne der Türkei mit besonderem Fokus auf die Stadt Ankara erkundet. Hier nehmen die Körper neoliberaler TV-Moderator*innen den Platz klassischer, monumentaler Statuen ein: In ihren Shows verkörpern sie nationalistische Ideologien und dienen als Propagandainstrumente. AN(A)KARA will das Denkmal des jungen und athletischen NEW MAN stürzen und mit Shapewear-Unterwäsche ersetzen. Gleichzeitig untersucht die Performance, wie sich das Konzept von Zeit im Laufe der Geschichte geändert hat: von kısmet, der Vorstellung, dass der Weg eines Menschen durch Schicksal vorbestimmt ist, hin zur getakteten Schnelllebigkeit der Moderne und den Reibungen dazwischen.
In AN(A)KARA erscheinen die Erinnerungen und Verwirrungen eines muslimischen Kindes als Stimmen und Objekte, die aus einer Vergangenheit der 1980er und 1990er Jahre sprechen. Während die Performance einen Überblick über diese prägende Ära der Türkei gibt, thematisiert Göksu Kunak gleichzeitig die Klischees und Auseinandersetzungen um Ost und West und die allgegenwärtige (Selbst-)Zensur.
KONZEPT, PERFORMANCE, INSTALLATION, KOSTÜM, TON Göksu Kunak DRAMATURGIE Isabel Gatzke LICHTGESTALTUNG Annegret Schalke BÜHNENBILD Julian Weber PRODUKTIONSLEITUNG Nara Virgens, Florian Greß SOUND MASTERING Laure M. Hiendl DOKUMENTATION Ethan Folk
Eine Produktion von Göksu Kunak in Koproduktion mit SOPHIENSÆLE. Gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Medienpartner: taz.die tageszeitung.
Göksu Kunak (Ankara, 1985) ist ein*e in Berlin lebende*r Künstler*in, Forscher*in und Autor*in. Göksus Arbeit beschäftigt sich mit Chronopolitik, hybriden und mehrsprachigen Texten sowie performativen Sprachen, die von nicht-westlichen Dramaturgien und der Arabesk-Kultur geprägt sind. In den Performances, Installationen und Texten thematisiert Kunak hetero-patriarchale Strukturen, Orientalismus und Selbstorientalisierung durch spekulative, partiturbasierte Ansätze und arbeitet mit dem Körper als Simulakrum und Skulptur.
Im Jahr 2025 erhielt Kunak den Kunstpreis der Akademie der Künste (Berlin). Kunaks Arbeiten werden weltweit gezeigt, darunter Performa Biennale (New York), Neue Nationalgalerie (Berlin), Van Abbe Museum (Eindhoven), De Singel Arts Center (Antwerpen), Kaaitheater (Brüssel) und KW Institute for Contemporary Art (Berlin).