Sophienstrasse 18
10178 Berlin-Mitte
Saison 24/25

GÖKSU KUNAK:
An(a)kara

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GÖKSU KUNAK:
An(a)kara
Performance
Auf Englisch

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Willkommen in einer rückständigen Utopie, ein Ticket zu einer Gesellschaft zwischen den Zeiten – und den damit verbundenen Verlusten: AN(A)KARA ist eine Sci-Fi-TV-Varieté-Show, moderiert von Gucci Chunk alias Göksu Kunak, die die Spätmoderne der Türkei mit besonderem Fokus auf die Stadt Ankara erkundet. Hier nehmen die Körper neoliberaler TV-Moderator*innen den Platz klassischer, monumentaler Statuen ein: In ihren Shows verkörpern sie nationalistische Ideologien und dienen als Propagandainstrumente. AN(A)KARA will das Denkmal des jungen und athletischen NEW MAN stürzen und mit Shapewear-Unterwäsche ersetzen. Gleichzeitig untersucht die Performance, wie sich das Konzept von Zeit im Laufe der Geschichte geändert hat: von kısmet, der Vorstellung, dass der Weg eines Menschen durch Schicksal vorbestimmt ist, hin zur getakteten Schnelllebigkeit der Moderne und den Reibungen dazwischen.

In AN(A)KARA erscheinen die Erinnerungen und Verwirrungen eines muslimischen Kindes als Stimmen und Objekte, die aus einer Vergangenheit der 1980er und 1990er Jahre sprechen. Während die Performance einen Überblick über diese prägende Ära der Türkei gibt, thematisiert Göksu Kunak gleichzeitig die Klischees und Auseinandersetzungen um Ost und West und die allgegenwärtige (Selbst-)Zensur.

Das Stück selbst dauert ca. 60 Minuten. Im Anschluss gibt es eine 20-minütige Installation. Während der Installation steht es dem Publikum frei, den Raum zu verlassen. Das Stück ist in englischer Lautsprache. Es richtet sich inhaltlich an ein erwachsenes Publikum. Der Bühnenraum ist ziemlich hell, fast wie in einem Museum. Es gibt einige schnelle, aber leichte Lichtwechsel. Geräusche im Publikum sind erlaubt. Der Publikumsbereich auf der Tribüne ist bestuhlt. Es gibt einen Sitzsackplatz, den man nach Verfügbarkeit telefonisch reservieren oder im Online-Ticketshop buchen kann. Getränke im Saal sind erlaubt. Das Publikum ist eingeladen, Fotos und Videos zu machen. Die Informationen zur Barrierefreiheit werden laufend ergänzt. Bei Fragen oder für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Gina Jeske unter jeske@sophiensaele.com oder 030 27 89 00 35. 

KONZEPT, PERFORMANCE, INSTALLATION, KOSTÜM, TON Göksu Kunak DRAMATURGIE Isabel Gatzke LICHTGESTALTUNG Annegret Schalke BÜHNENBILD Julian Weber PRODUKTIONSLEITUNG Nara Virgens, Florian Greß SOUND MASTERING Laure M. Hiendl DOKUMENTATION Ethan Folk

Eine Produktion von Göksu Kunak in Koproduktion mit SOPHIENSÆLE. Gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Medienpartner: taz.die tageszeitung.

GÖKSU KUNAK (Ankara, 1985) ist Künstler*in und Autor*in und lebt in Berlin. Göksus Interesse gilt Chronopolitiken und hybriden Texten, die sich mit dem performativen Jargon zeitgenössischer Lebensstile auseinandersetzen. Göksus englischsprachige Texte spielen aus nicht-muttersprachlicher Perspektive mit Mehrsprachigkeit und Syntax. Beeinflusst von der Kultur der Arabeske und der Spätmoderne, imaginiert Göksu neue Situationen auf Basis von realen Begegnungen, die die Problematik hetero-patriarchaler Strukturen aufzeigen. Göksu forscht zu den Themen Orientalismus, Selbst-Orientalisierung (die Wahrnehmung des „Östlichen" und wie „die*der Östliche“ sich selbst durch diese Konstruktion sieht), Tarnung und Selbstzensur. Göksu war für den Dieter-Ruckhaberle-Förderpreis nominiert und gehörte mit dem Stück Cabaret Portrait: Döner Blackout III zu den Gewinner*innen des Live Works Prize Vol. 8 der Centrale Fies. Mit Unterstützung des Berliner Senats und der Sophiensæle entstand 2021 das Stück AN(A)KARA.

ISABEL GATZKE arbeitet als Dramaturgin in Berlin und Zürich an der Schnittstelle von zeitgenössischem Tanz und Performance. Ihre Praxis zeichnet sich durch eine enge Verknüpfung von Dramaturgie als praktisch-theoretische Forschung sowie als Methode in künstlerischen Prozessen aus und ist von einer Auseinandersetzung mit Sprache und Bewegung geprägt. Auf diese Art und Weise arbeitete sie u.a. mit den Künstlerinnen Ana Lessing Menjibar, Judith Förster und Olivia Hyunsin Kim sowie im Team des Festivals Zürcher Theater Spektakel. Acayip Mahlukat ist nach AN(A)KARA und PETROL die dritte Zusammenarbeit mit Göksu Kunak.

NAGI GIANNI kombiniert künstlerische Disziplinen und stellt sich gerne immersive Räume vor, in denen Choreografie, Bühnenbild, Kostüme und Masken mit den Darsteller*innen eins werden, die sie bewohnen. Seit seinen ersten Kreationen hat er sich der Maske als Erweiterung der Körper und ihrer Identitäten genähert, um sie in Bezug auf ihre Umgebung zu verändern und Innerlichkeit mit Äußerlichkeit und das Intime und das Öffentliche miteinander zu konfrontieren. Er befragt die Identität des Selbst im digitalen Zeitalter und entwickelt eine traumgleiche Vorstellungswelt, in der das Tier, der Cyborg, das Mythologische und das Gespenstische aufeinandertreffen. Diese Figuren des Unheimlichen sind für ihn ein Mittel, um andere Beziehungen zur Wahrnehmung der Realität durch einen Ansatz zu eröffnen, der das bereits Bekannte und eindeutig Identifizierbare in Frage stellt und verdrängt.

FLORIAN GREß studierte Theaterwissenschaft, Geschichte sowie Kultur- und Medienmanagement an der Freien Universität Berlin. Als Produktionsleitung im Bereich Tanz und Performance arbeitet er derzeit mit Göksu Kunak, Enad Marouf, Layton Lachman und Jubal Battisti. Außerdem war er als freier Mitarbeiter für die Tanzplattform Deutschland 2022, Forecast / Skills e.V. sowie für mehrere Ausgaben von Tanz im August - Internationales Festival Berlin (2018-2021) tätig.

Annegret Schalke lebt und arbeitet als Tänzerin/Choreographin und Lichtdesignerin in Berlin. Sie ist Diplommathematikerin und schloss 2013 ein Studium im Fach Tanz, Kontext, Choreographie am HZT Berlin ab. Als Tänzerin arbeitete sie unter anderen mit Eva Meyer-Keller, Sheena McGrandles, Heiner Goebbels, Rose Beermann, Julian Weber. Sie entwirft außerdem Lichtdesigns im Bereich Tanz/Performance, beispielsweise in Zusammenarbeiten mit Enrico Ticconi & Ginevra Panzetti, mit Michelle Moura und anderen. Seit 2014 ist Teil der Licht-/Sound-/Video-Künstlerresidenzen Gangplank u.a. mit Bruno Pocheron. Sie ist Mitbegründerin des Choreograph*Innen Kollektivs B A G.

LABOUR ist eine in Berlin ansässige Soundgruppe, die von Farahnaz Hatam und Colin Hacklander geleitet wird. Ihre Praxis erforscht Wahrnehmung und soziale Situationen durch digitale Klangsynthese, algorithmische Komposition, Perkussion, Psychoakustik und Klang für architektonische Räume. Gleichzeitig wollen sie ein erhöhtes sensorisches Bewusstsein ihrer Zuhörer*innen stimulieren, indem sie aktives Zuhören fördern und anerkennen, dass sich der akustische Raum von außen nähert, aber in erster Linie ein innerer Raum bleibt. Der Name LABOUR ist zum Teil von einer frühen Definition von Marx inspiriert, die dem Bereich der Arbeit eine ontologische Bedeutung beimisst. Wie der Philosoph Christopher J. Arthurs formulierte, ist Arbeit (Labour) „die ontologisch grundlegende produktive Tätigkeit, in der und durch die man wird, was man ist“. Die Arbeit von LABOUR konzentriert sich auf zwei verschiedene Bereiche: bildende Kunst und Konzerte, wobei ein Interesse an erweiterten Formaten besteht. Zu ihren langjährigen Mitarbeiter*innen gehören die Künstler*innen Evelyn Bencicova, Enes Güç, Zeynep Schilling und Isabel Lewis.

FRZNTE ist DJ, Pole-Performerin und Kulturproduzentin. In ihren Pole-Performances verbindet sie performative, choreografische und skulpturale Elemente, wobei sie sich häufig auf den architektonischen Kontext bezieht. Ihr sich um die Stange schlingender und bewegender Körper wird zur kinetischen Skulptur und Geste von Empowerment. FRZNTE arbeitete u.a. mit Transmoderna zusammen, einem Kollektiv für digitale Kunst und elektronische Musik, das von DJ Dixon mitbegründet wurde, und performte mit Peaches an der Deutschen Oper Berlin. Der Regisseur Tilman Hecker lud sie ein, im Rahmen von glasshouse.berlin bei Bethy Trio (Spreehalle Berlin)sowie Rochambeau Study#2 & #3 (Volksbühne) zu performen. Außerdem tourt FRZNTE gemeinsam mit der isländischen Musikerin Apex Anima, mit der sie eine hochenergetische audiovisuelle Live-Show entwickelte, in der ätherische mit physischen, statischen und akrobatischen Momenten verschmelzen.

Tischa Thomas, aka The Tigress, kommt ursprünglich aus New York City und lebt seit 2019 in Berlin. Tischa, die früher als professionelle Weltklasse-Athletin antrat und den 3. Platz im Frauen-Bodybuilding belegte, beschloss, sich als Athletin zurückzuziehen und ihr Interesse als Künstlerin im Bodybuilding zu verfolgen. Jetzt, als kreative Tanz-Performerin, hat Tischa, eine 53-jährige Mutter von drei erwachsenen Kindern und neun Enkelkindern, die Bühne gewechselt und nutzt ihren Körper als künstlerisches Medium, um ihre Botschaft auszudrücken. Mit ihren kühnen Performances fordert sie weiterhin alle gesellschaftlichen Schönheitsnormen und negativen Stereotypen darüber, wie Frauen in der heutigen Gesellschaft aussehen, sich verhalten und zeigen sollten, heraus und bricht mit ihnen. Tischas Performances, Muscles In Motion und P.O.P. Culture, haben sowohl Frauen als auch Männer dazu inspiriert, sich zu trauen, ihr wahres, authentisches Selbst zu akzeptieren und darauf uneingeschränkt stolz zu sein!

Andrés Sanjuan ist ein in Amsterdam lebender bildender Künstler. Er ist Teil des Fotografie-Departments an der Gerrit Rietveld Academy, NL. Seine Arbeit dreht sich um Porträts, Bewegung und das Intime. Seine Praxis umfasst persönliche Projekte und ein wachsendes Portfolio an redaktionellen und kommerziellen Aufträgen. Letztere ermöglichen es ihm, mehr Zeit in der Praxis zu verbringen. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Faszination für das Flüchtige, das Intensive, das Grenzüberschreitende, das Vergnügen und den Herzschmerz.  Andrés verbindet seine Leidenschaft für das visuelle Medium mit seiner Liebe zum Klettern und zur freien Natur.

  • AN(A)KARA 2_Foto_Ethan Folk_HP
    © Ethan Folk
  • AN(A)KARA 3_Foto_Ethan Folk_HP
    © Ethan Folk
  • AN(A)KARA 4_Foto_Ethan Folk_HP
    © Ethan Folk
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