Angela Alves: Never Rest (After Work Tours #2) – Sophiensæle | Freies Theater in Berlin
Angela Alves: Never Rest (After Work Tours #2)
Die Sophiensæle befinden sich in einem Gebäude voller Geschichten – davon zeugen Verzierungen an den Decken, Risse in den Wänden, Zeichnungen auf alten Türen, genauso wie Geister und Erinnerungen, die dieses Haus bewohnen. Die Wände, Treppenhäuser und Säulen erzählen dabei auch viel über den Wandel von Arbeit in den 120 Jahren ihrer Existenz – und über Emanzipation, Widerständigkeit, Demokratisierung und Selbstorganisation, genauso wie über Gewalt, Zwang und Ausbeutung, die sich in und mit ihr manifestierten.
Ausgehend vom Format der Historischen Hausführungen, die regelmäßig in den Sophiensælen angeboten werden, entwickeln drei Berliner Künstlerinnen neue ortsspezifische Performances als Auftragsarbeiten für das Festival.
Ausruhen ist eine überlebenswichtige Praxis für die Gesundheit. Es wirkt entzündungshemmend, hilft gegen chronische Schmerzen, Bluthochdruck und Burnout. Damit das Ausruhen seinen Zauber entfalten kann, kommt es aber nicht nur darauf an, wie wir uns ausruhen, sondern auch, wo wir es tun.
In Never Rest untersucht Angela Alves die räumlichen Grenzen des Ausruhens. Sie fragt, ob Ausruhen überhaupt möglich ist in Arbeits- und Gesundheitsräumen, die von Druck, Kontrolle und Erwartungen geprägt sind.
Als Hausführung konzipiert, führt sie das Publikum durch die Räume der Sophiensæle und auf eine historische Spurensuche des Nicht-Ausruhens: von den Ostarbeiter*innen des NS-Regimes, die in den 1940er-Jahren im heutigen Festsaal der Sophiensæle arbeiten und schlafen mussten, über die schlaflosen Nächte von Tänzer*innen im Theater, bis zu den Dauerbadpatient*innen der sogenannten Heil- und Pflegeanstalten der frühen Moderne, die in der Badewanne zur Ruhe kommen und manchmal auch übernachten mussten.
Die Installation im Rahmen von Never Rest (After Work Tours #2) ist kostenfrei im 3. Obergeschoss zu sehen und zu folgenden Zeiten geöffnet:
19.06.: 18:30–20:30
20.06.: 18:30–20:30
21.06.: 18:30–21:00
Abendzettel
Hier kannst du die Zines zur Führung downloaden:
Zine 1
Zine 2
Zine 3
Zine 4
Anleitung
Die Performance thematisiert NS-Zwangsarbeit sowie medizinische Gewalt.
Dauer
- Ca. 45 Min. ohne Pause
Sprache
- deutsche Lautsprache
- es werden Zines in englischer Schriftsprache verteilt
Publikum
- Das Publikum bewegt sich mit der Performerin durch das Gebäude
- Es gibt während der Tour nur an wenigen Momenten die Möglichkeit sich zu setzen
- Tragbare Museumshocker sind vorhanden und werden vor der Tour bei Bedarf verteilt
- Für alle Wege, die das Treppensteigen vorhersehen, gibt es alternative Routen mit dem Aufzug
Interaktion
- das Publikum wird direkt angesprochen und zur Interaktion aufgefordert. Dies beinhaltet unter anderem das Falten von Blättern und das Hinlegen auf Holzboden
- Die Teilnahme an der Interaktion ist freiwillig
Sonstiges
- Die Tour beinhaltet Aufzugfahren auf engem Raum über die Dauer von einigen Minuten. Das Verlassen oder Nichtbetreten des Aufzugs ist bei Bedarf möglich. FFP2-Masken werden verteilt.
Tickets
- Über das Kartentelefon reservierbar unter 030 283 52 66, Montag bis Freitag von 16-18 Uhr
- Über den Online-Ticketshop
- An der Abendkasse
Weitere Informationen zur Barrierefreiheit am Haus finden Sie außerdem hier.
Choreografie, Performance: Angela Alves
Dramaturgie: Annekathrin Walther
Illustrationen: Koen
Never Rest entsteht in Kooperation mit den Sophiensælen im Rahmen des Festivals Never Work. Never Work – Internationales Performance-Festival ist ein Festival der Sophiensæle, gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds. Die Sophiensæle werden gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Medienpartner: Berlin Art Link, Missy Magazine, Siegessäule, taz.
Angela Alves lebt als Choreografin in Berlin und identifiziert sich als crip Künstlerin. Ihre künstlerische Praxis konzentriert sich auf die politischen Dimensionen des unverfügbaren Körpers und erforscht dessen transformative Potenz in klassifizierten und ableistischen, vorstrukturierten Räumen. Alves übersetzt Zugänglichkeit in performative Formate und hinterfragt Wahrnehmungen der Begriffe „gesund“ und „krank“. Sie studierte Tanz bei ArtEZ (NL) und Tanztheorie an der Freien Universität Berlin.