Sophiensæle

Never Work – Sophiensæle | Freies Theater in Berlin

Programm

Saison 26/27
Never Work

Internationales Performance-Festival 
12.–27.06.2026

Während der deutsche Bundeskanzler uns alle anhält, härter zu arbeiten, und die arbeitende Bevölkerung mit Kampfbegriffen wie „Lifestyle-Teilzeit“ oder Unterstellungen von Krankfeiern attackiert, erzählen Ausdrücke wie „Job-Hugging“, stille Kündigung oder „Burn-on“ eine andere Geschichte. Sie spiegeln die aktuelle Welle viraler Sprache wider, die die weit verbreitete Enttäuschung über Arbeit im Kapitalismus und die Widersprüche der heutigen 24/7-Arbeitskultur einfängt. Gute Arbeit wird immer knapper, doch die eigene Arbeitskraft zu verkaufen ist unumgänglich – was viele entmutigt, erschöpft und krank macht. In einer sich rasch wandelnden Welt, die von wirtschaftlicher Ungleichheit und Gig-Arbeit geprägt ist, wird bereits das bloße Überleben für viele zu harter Arbeit. Und so bleibt die Vision eines „guten Lebens“ für die meisten unerreichbar.

Das Internationale Performance-Festival Never Work versammelt künstlerische Positionen aus verschiedenen Teilen der Welt, die sich kritisch mit zeitgenössischen Diskursen und Lebensrealitäten der Arbeitswelt beschäftigen, in den Sophiensælen in Berlin-Mitte. Ein Gebäude, das vor 120 Jahren als Berliner Handwerkervereinshaus eröffnet wurde und  Handwerker*innen eine berufliche, politische und kulturelle Ausbildung ermöglichte; und in dem sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein wichtiger Treffpunkt für die Arbeiter*innenbewegung und die revolutionäre Linke entwickelte; bevor hier in den 1940er-Jahren sogenannte Ostarbeiter*innen zur Arbeit gezwungen wurden und zu DDR-Zeiten die Werkstätten des Maxim Gorki Theaters Einzug hielten. Die Sophiensæle, 1996 schließlich als freies Theater von Künstler*innen für Künstler*innen gegründet, produzieren und präsentieren seit nunmehr 30 Jahren Tanz, Theater und Performance – immer auch mit dem Auftrag, die Arbeitsbedingungen in der Freien Szene zu hinterfragen, zu diskutieren und zu verändern.

Anlässlich dieser Jubiläen fragen die am Festival beteiligten Künstler*innen, Denker*innen und Aktivist*innen nach dem Zusammenhang zwischen Arbeiten, (Über-)Leben und der ständigen Arbeit am Selbst. Sie setzen sich mit globaler Arbeitsteilung und dem Verhältnis zwischen Arbeit und Nation bzw. Identität auseinander – und thematisieren unabdingbare, unsichtbare, prekäre und illegalisierte Arbeit, ebenso wie romantisierte und völlig überflüssige Arbeit. Dabei überführen sie die Absurditäten einer Arbeitswelt im Finanzkapitalismus in ästhetische Erfahrungen. Ohne Anspruch auf eine vollständige Abbildung dieses gesellschaftspolitisch so brisanten Feldes – an dem sich weltweit Wahlkämpfe und die Zukunft von Demokratien entscheiden – bringt das Festival Never Work vielfältige künstlerische Auseinandersetzungen und Provokationen zusammen. Es gibt den Nuancen und grotesken Erfahrungen, die Arbeitnehmer*innen weltweit verbinden, eine Bühne – ebenso wie den Träumen davon, anders oder gar nicht zu arbeiten.

  • Never Work - Web - Farbe 1 - 1800 x 1350 px
    © KaranKobel
  • Never Work - Web - Rain1 - 1800 x 1350 px
    © KaranKobel
  • Never Work - Web - Farbe 2 - 1800 x 1350 px
    © KaranKobel