Sophienstrasse 18
10178 Berlin-Mitte
Saison 24/25
17:00
Start: Zur letzten Instanz (Waisenstraße 14-16, 10179 Berlin)
Performativer Spaziergang Ticket
Tanz Ticket Premiere
Post-Drag-Comedy Ticket
Tanz Ticket Premiere

Geschichte

Die Sophiensæle befinden sich im ehemaligen Handwerkervereinshaus, dessen Geschichte mit seinem Bau 1904/05 beginnt. Es steht in einer der ältesten Straßen der Spandauer Vorstadt: der über 300 Jahre alten Sophienstraße. Der bereits 1844 gegründete Berliner Handwerkerverein war eine spezielle Form des Arbeiterbildungsvereins: sein Zweck war die fachliche Weiterbildung von Handwerksgesellen, ihre Vorbereitung auf die Meisterprüfung, aber auch kulturelle und politische Weiterbildung. Und die Sophiensæle waren immer ein Ort des geselligen Zusammenseins und Feierns.

Der Gebäudekomplex besteht aus über 90 Räumen. Früherbefanden sich hier unter anderem Schulungsräume, ein Restaurantmit Biergarten, eine Bibliothek und eine Kegelbahn. Der Festsaal wurde zusammen mit dem im Erdgeschoss gelegenen Restaurantunter dem Namen Sophien-Säle an einen unabhängigen Pächter vermietet und war bereits damals ein beliebter Theaterort.

In den 1910er und 1920er Jahren begann die Nutzung des Gebäudes als Versammlungsort der revolutionären Linken. Unter anderem sprachen hier Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Erich Mühsam und Clara Zetkin. Der Virchowsaal im Erdgeschoss wurde 1918 Ort der ersten öffentlichen Versammlung des Spartakusbundes. Die Säle waren außerdem in unmittelbarer Nachbarschaft zum Zentralkomitee der KPD gelegen, das bis 1925 seinen Sitz in der Rosenthaler Straße hatte. Von all den Räumlichkeiten, die die KPD in Berlin nutzte, sind allein die Sophiensæle erhalten.

Während der Zeit der NS-Diktatur arbeiteten holländische Zwangsarbeiter*innen im Festsaal an der Herstellung von NS-Flugblättern. In der DDR wurden die Räumlichkeiten vom Maxim-Gorki-Theater als Werkstätten genutzt. Im Hochzeitssaal befand sich der Malsaal, im Großen Festsaal die Schreinerei.

Im Herbst 1996 werden die Sophiensæle von Sasha Waltz und Jochen Sandig gemeinsam mit Jo Fabian und Dirk Cieslak als freies Theater von Künstler*innen für Künstler*innen gegründet. Von 2000 bis 2007 übernahm Amelie Deuflhard die künstlerische Leitung des Hauses, gefolgt von Heike Albrecht (bis 2010) und Franziska Werner (von 2011 bis 2023). Zur Spielzeit 2023/24 übernahmen Jens Hillje und Andrea Niederbuchner die künstlerische Leitung der Sophiensæle.