Milo Rau / IIPM – International Institute of Political Murder

Das Kongo Tribunal (Teil 2)

Die Berlin Hearings

Ausgelöst vom ruandischen Genozid 1994, hat der aufgrund der direkten oder indirekten Verwicklung aller Großmächte unserer Zeit auch als „Dritter Weltkrieg“ bezeichnete Kongo-Krieg bereits bis zu 6 Millionen Tote gefordert. Viele BeobachterInnen sehen in ihm nicht nur einen Kampf um die politische Vorherrschaft in Zentralafrika, sondern zugleich eine der entscheidenden wirtschaftlichen Verteilungsschlachten im Zeitalter der Globalisierung. Mag die Zahl der beteiligten Rebellenheere undurchschaubar sein – noch undurchschaubarer sind die in den Nachschublinien wirkenden Waffenhändler, die Rolle ausländischer Diplomaten und humanitärer Hilfswerke, aber auch die Verwicklungen multinationaler Minengesellschaften. Entscheidet sich in diesem bisher größten und blutigsten Wirtschaftskrieg der Menschheitsgeschichte die zukünftige Ordnung der Weltgemeinschaft?


In der Tradition des Vietnam Tribunals durchleuchtet das Langzeit-Projekt Das Kongo Tribunal anhand eines Tribunals vor Ort im Ostkongo (Mai 2015) und in Berlin (Juni 2015) die Hintergründe des seit bald 20 Jahren andauernden Kongokriegs mit bisher an die 6 Millionen Toten. Während die Anhörungen im Ostkongo auf drei lokale Fälle fokussieren, stehen in Berlin die Verwicklung der EU, der Weltbank, der internationalen Gemeinschaft und der multinationalen Unternehmen im Mittelpunkt. Ein menschlich erschütterndes, analytisch tiefgründiges Tableau der neokolonialen Weltordnung.

 

 

ERÖFFNUNGSSITZUNG (FREITAG, 26. JUNI, 19:00-21:00 UHR)

Eröffnungsreden

Präsentation der Befunde der Bukavu Hearings

Erläuterung der Ordnung und der Aufgaben des Tribunals

 

SESSION 1: VERANTWORTUNG DER MULTINATIONALEN UNTERNEHMEN UND DER WELTBANK (SAMSTAG, 27. JUNI, 12:00-15:00 UHR)

Die unterschiedlichen Maßnahmen – wie der Dodd-Frank Act oder die OECD-Richtlinien –, die den Handel und die Verarbeitung von sogenannten „Konfliktmineralien“ aus dem Ostkongo eindämmen sollen, scheinen bis heute vor allem der Imagepflege der Elektronikindustrie zu dienen, während sich die Lage vor Ort kaum verbessert. Stattdessen werden die kongolesischen Minenarbeiter verdrängt von multinationalen Unternehmen, die von der politischen Instabilität während des Krieges profitiert und Konzessionen zu günstigen Bedingungen erworben haben.

Leitfrage: Sind die Unternehmen mitverantwortlich für die Menschenrechtsverletzungen im Ostkongo oder tragen sie im Gegenteil zur Stabilisierung der Region bei?

 

SESSION 2: VERANTWORTUNG DER EU, IHRER MITGLIEDSSTAATEN UND DER SCHWEIZ (SAMSTAG, 27. JUNI, 17:00-20:00 UHR)

Während die Sanktionen gegen die „Konfliktmineralien“ vor allem die kongolesischen Minenarbeiter treffen, werden die multinationalen Unternehmen für Verstöße gegen die Menschenrechte im Kongo kaum zur Verantwortung gezogen. Angesichts des weiterhin steigenden Rohstoffbedarfs in den westlichen Industriestaaten scheint die Regulations-Politik der EU in Zentralafrika vor allem der Sicherung des zukünftigen Konsums zu dienen. So setzt die „saubere“ Energiepolitik der Industriestaaten auf eine neokoloniale Auslagerung aller „schmutzigen“ Primärindustrien und wird von gewaltigen Umsiedlungsaktionen begleitet.

Leitfrage: Werden die multinationalen Unternehmen für ihre Menschenrechtsverletzungen nicht belangt, weil ihr Engagement in Afrika notwendig ist für die aktuelle Rohstoff- und Energiepolitik Europas?

 

SESSION 3: VERANTWORTUNG DER NGOS UND DER VEREINTEN NATIONEN (SONNTAG, 28. JUNI, 14:00-20:00 UHR, 18:00 Schlusssitzung MIT SCHLUSSREDEN)

Im Kongo wie in vielen anderen ehemaligen Kolonien konnte sich nach der Unabhängigkeit nie eine stabile demokratische Regierung ausbilden – geschweige denn eine funktionierende Zivilgesellschaft. An die Stelle der zerstörten traditionellen und zivilgesellschaftlichen Strukturen und des abwesenden staatlichen Gewaltmonopols traten westlich finanzierte Parallelstrukturen: die NGOs und die Friedensmissionen der UNO. Als bloß sich selbst erhaltende, fatal in die jeweiligen Machtsysteme verstrickte, jeden Wandel durch Paternalismus und Mediation verhindernde Apparate neokolonialer Machart verschrien, befinden sich die NGOs und die UNO-Missionen aktuell in einer Legitimationskrise.

Leitfrage: Ist die Peace-Keeping Politik der internationalen Gemeinschaft vor Ort mitverantwortlich für den anhaltenden Konflikt?

 

PRESSEKONFERENZ (MONTAG, 29. JUNI, 14:00-16:00 UHR)

Präsentation der Befunde durch die Jury

Ort: bpb - Bundeszentrale für politische Bildung, Friedrichstr. 50, 4.OG

Eintritt: frei

Anmeldung unter AUGUSTIN PR | Yven Augustin
T +49.30.240 88 28 21 | presse@augustinpr.de


Weitere Informationen zum Künstler / zur Künstlerin

KONZEPT, DREHBUCH, REGIE Milo Rau RECHERCHE, CASTING Eva-Maria Bertschy BÜHNE, AUSSTATTUNG Anton Lukas SOUND Jens Baudisch PRODUKTIONSLEITUNG Mascha  Euchner-Martinez, Eva-Karen Tittmann RECHERCHE VOR ORT Chrispin Mvano, Kris Berwouts, Jean-Moreau Tubibu ASSISTENZ REGIE, RECHERCHE Mirjam Knapp VORSITZ DES TRIBUNALS Jean-Louis Gilissen, Sylvestre Bisimwa GERICHTSSCHREIBERIN Kathrin Röggla VIDEOEINSPIELUNGEN Marc Stephan

 

Ein Film- und Theaterprojekt von Milo Rau/IIPM - International Institute of Political Murder in Koproduktion mit der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK) und SOPHIENSÆLE. Gefördert aus Mitteln des Regierenden Bürgermeisters von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten, des Hauptstadtkulturfonds, des Goethe Instituts Johannesburg und der Bundeszentrale für politische Bildung. Mit freundlicher Unterstützung von Brussels Airlines. Medienpartner: taz.die tageszeitung



             

 

Tribunal Performance


Aufführungen

juni 2015
26 
19:00-21:00 UHR

27 
12:00-15:00 UHR
17:00-20:00 UHR

28 
14:00-20:00 UHR


ORT
Festsaal




Deutsch / Englisch















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