Interrobang

Der Prozess 2.0

Ein Schuldlabyrinth nach Kafka

Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.

 

Ähnlich wie dem Protagonisten in Kafkas Roman Der Prozess kann es einem in der Leistungs- und Kontrollgesellschaft des 21. Jahrhunderts ergehen, in der Menschen zu unerbittlichen Richter_innen ihrer selbst werden: Bin ich erfolgreich genug? Stimmt meine Work-Life-Balance? Bin ich mit meinem Leben zufrieden und falls nein, bin ich dann nicht letztlich selber schuld? Die Kontrolle, die in Kafkas Roman noch von außen kam, wird heute nach innen verlagert: Man verleumdet, beschuldigt und verurteilt sich selbst, ohne etwas im juristischen Sinne "Böses" getan zu haben. Anstatt die Gesellschaft zu kritisieren, problematisiert man sich selbst, anstatt der Gewerkschaft beizutreten, geht man zum_r Therapeut_in.

 

Im Rückblick auf verblüffend gegenwartsrelevante Motive in Kafkas Klassiker kehren Interrobang in Der Prozess 2.0 das innere Gericht des selbstverantwortlichen Menschen nach außen und unterziehen es einem öffentlichen Prozess. Dafür errichten Interrobang ein installatives Theaterlabyrinth aus Verdächtigungen, obskuren Verfahrensweisen und neuartigen Delikten, durch das sich die Zuschauer_innen - jede_r in der "Rolle" des Josef K. - hindurchnavigieren.

 

Tischgesselschaft 

februar 01 | IM ANSCHLUSS AN DIE VORSTELLUNG

Publikumsgespräch in Zusammenarbeit mit Theaterscoutings Berlin. Moderation: Suzanne Jaeschke



INTERROBANG sind Till Müller-Klug, Nina Tecklenburg und Lajos Talamonti. Sie entwickeln neue partizipative Theaterformate zur Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen und Fragestellungen. Für jedes ihrer Projekte arbeiten sie mit Künstler_innen unterschiedlicher Sparten zusammen (Ekkehard Ehlers, Martin Schick, Kaja Jakstat, Georg Werner, Florian Fischer, Friedrich Greiling, Sandra Fox, Lisa Großmann, Lajos Talamonti u.a.). 2012-2014 erhielten sie gemeinsam mit den Sophiensælen die Doppelpassförderung der Kulturstiftung des Bundes. Bisherige Arbeiten an den Sophiensælen: Sprachlabor Babylon (2012), Callcenter Übermorgen. Eine Telefonreise in Dein ungelebtes Leben (2013), ThAEtermaschine - Module für die Zukunft des Theaters  (2013), Preenacting Europe (2014), To Like or Not to Like (2015), Der Prozess 2.0 (2017)  und zuletzt Emocracy (2017).

 

interrobang-performance.com



VON UND MIT Till Müller-Klug, Lajos Talamonti, Nina Tecklenburg, Elisabeth Lindig DRAMATURGIE Kaja Jakstat BÜHNE, KOSTÜM Sandra Fox MUSIK Friedrich Greiling HOSPITANZ Daniela Schroll, Katharina Öttl PRODUKTIONSLEITUNG ehrliche arbeit - freies Kulturbüro

 

Eine Koproduktion von Interrobang mit SOPHIENSÆLE Berlin und Schauspiel Leipzig. In Kooperation mit Schwankhalle Bremen. Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa, den Fonds Darstellende Künste e.V. und die Rudolf Augstein Stiftung. Medienpartner: taz. die tageszeitung

 

Foto © Michael Bennett



   

 

Performance


Aufführungen

2017
januar
26 27 28 31 
20:00 UHR

2017
februar
01 02 
20:00 UHR


ORT
Festsaal




Auf Deutsch - in German















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