Sophienstrasse 18
10178 Berlin-Mitte
Saison 24/25

Queering the Crip, Cripping the Queer

Queering the Crip, Cripping the Queer

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Erstmals in Deutschland bringen die Sophiensæle im Rahmen des Performancefestivals Queering the Crip, Cripping the Queer vom 09. bis 17. September 2022 internationale Arbeiten queerer behinderter Künstler*innen zusammen – mit allen Herausforderungen und Potenzialen, die die Intersektionen von Behinderung und Queerness mit sich bringen. Dabei ist bereits der Titel des Festivals eine Hommage an den gleichnamigen Text von Carrie Sandahl, mit dem sie 2003 queere behinderte Kulturgeschichte schrieb.

Das Festival findet in Kooperation mit dem Schwulen Museum statt, das die gleichnamige Ausstellung vom 01. September bis 30. Januar 2023 präsentiert und die Fantasie des idealen Körpers mit Kunstwerken von 24 internationalen, zeitgenössischen Künstler*innen in Frage stellt. Doch nicht nur Titel und Thema verbinden die Sophiensæle und das Schwule Museum im September: So sind Arbeiten von Quiplash, Anajara Amarante, Pelenakeke Brown und Sindri Runudde sowohl im Festival als auch in der Ausstellung vertreten.

Das Performancefestival Queering the Crip, Cripping the Queer ist eine Einladung zu Kunstpraxis und Diskurs rund um behindertes queeres (Über-)Leben und Arbeiten. Die eingeladenen Künstler*innen stellen nicht nur Heteronormativität und Geschlechterperformances, sondern auch queere Kulturpraktiken (wie etwa Drag) auf die Probe und crippen sie. So bringen QUIPLASH mit ihrem Cast blinder Performer*innen eine schillernde Drag-Show auf die Bühne, während SINDRI RUNUDDE uns auf eine sensorische Reise in die Intimität von Sprachnachrichten einlädt. Gleich zwei Produktionen feiern im Rahmen des Festivals ihre Premiere: PELENAKEKE BROWN erforscht in ihrer Arbeit indigene Konzepte von Zeit und Raum aus crip-queerer Perspektive und ANAJARA AMARANTE nimmt das Publikum mit in eine queere Version des südamerikanischen Surrealismus. Abgerundet wird das Programm mit einem Workshop zu queerer Audiodeskription sowie einem Panel (Informationen folgen in Kürze).

Einst Schimpfwörter, heute sorgsam gewählt, sind die Begriffe Queer und Crip (dt. „Krüppel“) emanzipatorische Selbstbezeichnungen vieler Künstler*innen, um ihre Lebens- und Kunstpraxis zu beschreiben. Beide Begriffe verweisen auf die bis heute andauernde Geschichte gesellschaftlicher Ausschlüsse – nicht nur, aber besonders in Deutschland, einem Land, in dem behindertes und queeres Leben während des Nationalsozialismus verfolgt wurde. Ähnlich wie Queering beschreibt Cripping subversive Praktiken: Diese wollen soziale wie kulturelle Normen (insbesondere Nichtbehinderung als vermeintlichen Normalzustand) sichtbar machen und Ausschlussmechanismen aufdecken.

Aus behinderter queerer Perspektive von Noa Winter kuratiert gibt Queering the Crip, Cripping the Queer diesen Praktiken, Ästhetiken und Geschichten von Freude und Leid, von Leidenschaft und Sexualität, von Ausschluss und Gemeinschaft in der Gegenwart einen gemeinsamen Raum.

MIT Anajara Amarante, Pelenakeke Brown, Sindri Runudde, Quiplash u.a. KURATION Noa Winter

Das Festival ist eine Produktion von SOPHIENSÆLE. Gefördert von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa – Spartenoffene Förderung. In Kooperation mit dem Schwulen Museum Berlin. Medienpartner: taz, die tageszeitung

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© Jan Grygoriew